
Beim Urologen
Prostata: Wie sinnvoll sind Zusatzleistungen?
Ann-Kathrin Landzettel
Aktualisiert am 27.11.2025 – 07:40 UhrLesedauer: 5 Min.
Urologen bieten viele Zusatzleistungen an, die Patienten selbst zahlen müssen. Doch welche Tests und Untersuchungen haben wirklich einen Mehrwert?
Zur Krebsfrüherkennung bieten Urologen verschiedene Zusatzleistungen für Männer an, unter anderem den PSA-Test, Ultraschalluntersuchungen sowie Urintests. Wie sinnvoll sind diese Untersuchungen? Die Expertenmeinungen hierzu gehen auseinander.
Laut dem Medizinischen Dienst Bund (MD Bund) geben Versicherte jedes Jahr mindestens 2,4 Milliarden Euro für individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) aus. Diese Zusatzleistungen, die Versicherte selbst bezahlen müssen, werden in jedem medizinischen Fachbereich angeboten.
In urologischen Praxen gehören unter anderem der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs, Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs, Harnblasenkrebs und Nierenkrebs sowie eine Urinanalyse zur Früherkennung von Harnblasenkrebs zu den angebotenen IGeL. Männer sind oft unsicher, ob sie die angebotenen Zusatzleistungen in Anspruch nehmen sollen. Viele fühlen sich zu wenig über die Selbstzahlerleistungen aufgeklärt.
Nach wie vor wird der Nutzen der am häufigsten angebotenen Selbstzahlerleistung intensiv diskutiert: der PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakarzinoms. Um die 30 Euro kostet die Untersuchung. Der PSA-Test ermittelt über eine Blutprobe den Wert des prostataspezifischen Antigens, welches nur in der Prostata gebildet wird. Ein erhöhter Wert deutet auf Veränderungen des Organs hin, etwa eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Prostataentzündung oder eine Krebserkrankung.
Urologische Fachgesellschaften empfehlen die Durchführung eines PSA-Tests zur Krebsfrüherkennung. Zugleich kritisieren sie die Ungenauigkeit der Tastuntersuchung, die Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms ist.
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) hat gemeinsam mit vielen anderen Fachgesellschaften und Institutionen in der aktualisierten Version der Leitlinie „Prostatakarzinom“ eine klare Empfehlung ausgesprochen: Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine Abtastung der Prostata (digital-rektale Tastuntersuchung) mehr erfolgen; Männern soll der PSA-Test angeboten werden.
Allerdings gibt es zum PSA-Test auch kritische Stimmen. So stuft der IGeL-Monitor des MD Bund den PSA-Test als „tendenziell negativ“ ein. Es sei nicht klar, ob der PSA-Test dazu beitragen kann, dass durch den Test weniger Männer an Prostatakrebs sterben. Ebenso wird das Risiko für Überdiagnosen und infolgedessen für Übertherapien kritisiert, die mit dem PSA-Test einhergehen können. Auf einen Mann, der dank PSA-Test nicht an Prostatakrebs sterbe, kämen vermutlich 30 Männer, die unnötig behandelt würden, weil ihr Tumor zeitlebens gar nicht aufgefallen wäre. Zeigt der PSA-Test erhöhte PSA-Werte, kommen auf den betroffenen Mann weitere Untersuchungen zur Abklärung zu – nicht alle sind frei von Risiken.
Doch was ist die Alternative zum PSA-Test? Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm sind das Abtasten der Genitalien und der dazugehörigen Lymphknoten in der Leiste sowie das Abtasten der Prostata vom Enddarm aus enthalten. Diese Früherkennungsuntersuchung können Männer ab dem 45. Lebensjahr jährlich beim Urologen in Anspruch nehmen. Die Kosten zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Wie bereits angedeutet, ist die Tastuntersuchung als alleinige Früherkennungsmaßnahme allerdings umstritten.