Wehrbericht 2025

Dann wäre die Wehrpflicht „der konsequente nächste Schritt“


03.03.2026 – 17:48 UhrLesedauer: 5 Min.

Reservisten der Bundeswehr: „Zweifel an der Erfolgsaussicht des Freiwilligenprinzips.“ (Quelle: Maurizio Gambarini/imago)

Der Wehrbeauftragte Henning Otte hat den Jahresbericht der Bundeswehr vorgestellt. Beim neuen Wehrdienst stellt er ein zentrales Ziel der Bundesregierung infrage.

Henning Otte wollte es anders machen als seine Vorgänger. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags stellte am Dienstag den Jahresbericht der Bundeswehr 2025 vor. Das Dokument solle ausdrücklich „kein Mängelbericht“ sein, betonte der CDU-Politiker bei der Präsentation. Und größtenteils hielt sich Otte auch daran – allerdings nur größtenteils.

Der knapp 100-seitige Bericht ist dennoch reichhaltig gespickt mit Kritik. Vor allem bei den zentralen Themen Personal, Infrastruktur, Material sowie der Vereinbarkeit von Familie und Dienst sieht Otte akuten Handlungsbedarf. Ziel müsse es sein, die Bundeswehr angesichts einer unsicheren Weltlage kriegstüchtig aufzustellen, so Otte. „Unsere Truppe muss in Schutz und Sicherung so ausgestattet werden, dass sie zu jeder Zeit die Einsatzfähigkeit gewährleisten kann.“

Deutschland sei „mit einer realen und unmittelbaren Bedrohung konfrontiert“, der die Bundeswehr mit glaubhafter Abschreckung begegnen müsse. „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“, fasst Otte das Leitmotiv seines Berichts zusammen.

Doch das Vorhaben, der russischen Bedrohung eine abschreckungsfähige und einsatzbereite Bundeswehr entgegenzustellen, sieht der Wehrbeauftragte durch zahlreiche Probleme gefährdet: durch eine steigende Zahl sexistischer Übergriffe und rechtsextremer Vorfälle, einen weiterhin geringen Frauenanteil, strukturelle Defizite bei der Ausrüstung sowie einen Investitionsstau von 67 Milliarden Euro. Das größte Problem aber sieht Otte an anderer Stelle.

Beim Personal, der „zentralen Herausforderung für die Bundeswehr“, gibt es laut Otte zunächst auch Positives zu vermelden: Die Zahl der aktiven Soldaten stieg zum Jahresende auf 184.194 – ein Plus von rund 3.000 gegenüber dem Vorjahr. Es war das einstellungsstärkste Jahr seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011. Auch die Zahl der Bewerber legte zu: Nach rund 51.000 im Vorjahr bewarben sich 2025 etwa 56.000 Menschen bei der Truppe.

Doch die kleinen Erfolgsmeldungen reichen Otte nicht. Das bekannte Problem der hohen Abbrecherquote bleibt bestehen. Sie liege weiterhin bei rund 20 Prozent. Otte führt dies auf „oftmals falsche Vorstellungen“ der Bewerber zurück, aber auch auf nicht eingehaltene Zusagen von Vorgesetzten im Bewerbungsgespräch. Zudem scheitere es häufig an fehlenden heimatnahen Einsatzmöglichkeiten, die sich viele Bewerber wünschten, um den Dienst mit Familie und Privatleben vereinbaren zu können.

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