Eine Senatssprecherin sagte nach Wegners Äußerungen zum Tennis-Match, der Regierungschef habe am Samstag zunächst kurz nach 8.00 Uhr, als er über den Stromausfall informiert worden sei, Telefonate geführt, unter anderem mit dem Kanzleramt und dem Innenministerium und verschiedenen Senatsverwaltungen. Ziel war es demnach, Hilfe zu organisieren – so hatte es auch Wegner selbst in den vergangenen Tagen erläutert. Zudem hatten er beziehungsweise sein Umfeld betont, dass ohne sein Engagement Hilfe vom Bund, etwa durch die Bundeswehr, nicht so rasch gekommen wäre.
Im aufkommenden Wahlkampf für die auch bundesweit nicht unwichtige Berlin-Wahl im September liefert Wegner mit seinem Agieren nun eine Steilvorlage für die politische Konkurrenz. Die Chance, sich auch mit symbolhaften Bildern als kraftvoller Krisenmanager zu inszenieren wie etwa Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 2002 beim Elbe-Hochwasser, hat der 53-Jährige wohl verpasst.
„Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt“, ätzte der SPD-Politiker Krach. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf, der selbst ins Rote Rathaus einziehen will, meinte, die Berlinerinnen und Berliner hätten „andere Ansprüche“ an einen Regierenden Bürgermeister. Eine Rücktrittsforderung vermieden beide – sie kommen nach der nächsten Wahl als potenzielle Koalitionspartner der CDU infrage.
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: „Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.“ Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker forderte Wegners umgehenden Rücktritt. Er habe die Stromkrise nicht ernst genug genommen.
Die Frage, ob er zurücktreten wolle, beantwortete Wegner im RBB am Abend nicht mit Ja oder Nein. „Dass die Opposition das jetzt sagt, das kann ich ja nicht verhindern“, sagte er.
