Berlin-Wahl 2026
Berliner mögen ihre Regierung so wenig wie nie – und wollen sie trotzdem
15.06.2026 – 04:41 UhrLesedauer: 2 Min.
Harte Zahlen für Kai Wegner: 76 Prozent der Berliner sind mit ihm unzufrieden – ein neuer Tiefpunkt. Wie seine CDU es trotzdem schafft, vorn zu liegen.
Kai Wegner hat ein Problem – und es wächst. Laut einer neuen Civey-Umfrage im Auftrag des „Tagesspiegel“ sind 76 Prozent der Berliner eher oder sehr unzufrieden mit der Arbeit des Regierenden Bürgermeisters. Einen schlechteren Wert hat in dieser Erhebung noch kein Amtsinhaber erreicht. Noch düsterer fällt das Urteil über die gesamte schwarz-rote Koalition aus: 84 Prozent bewerten ihre Arbeit negativ – ebenfalls Rekord. Positiv äußern sich gerade einmal elf Prozent über Wegner, 14 Prozent über die Regierung als Ganzes.
Drei Monate vor der Abgeordnetenhauswahl scheint das die CDU allerdings kaum zu bremsen. Mit 22 Prozent liegt sie laut der Erhebung weiterhin deutlich vor allen anderen Parteien und gewinnt gegenüber der vorangegangenen Civey-Umfrage von Anfang Mai zwei Prozentpunkte hinzu. Den zweiten Platz belegt die AfD mit 18 Prozent, dahinter folgen die Grünen mit 17 Prozent. Die Linke kommt auf 15 Prozent, die SPD auf 14 Prozent. Sowohl FDP als auch BSW scheitern laut aktuellem Stand an der Fünfprozenthürde und blieben damit außen vor.
Eigene Fehler, fremde Schwäche
Dass die CDU trotz der schlechten Stimmungslage vorn liegt, erklärt sich nicht nur durch eigene Stärke. Auch die Konkurrenz liefert wenig Angriffsfläche für Zugewinne. Die SPD tritt auf der Stelle, die Linke verliert sogar: Spitzenkandidatin Elif Eralp und ihre Partei standen in dieser Erhebung seit über zwölf Monaten nicht mehr so schlecht da. Im linken Lager führen derzeit die Grünen.
Der Regierende Bürgermeister lieferte in den vergangenen Monaten gleich mehrfach unfreiwillig Gesprächsstoff. Nach dem Berliner Stromausfall zu Jahresbeginn geriet er wegen seiner Kommunikation rund um ein Tennis-Match in die Kritik. Dann folgte die Fördermittel-Affäre, an deren Ende Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson ihren Posten räumen musste.
Rennen zur Berlin-Wahl 2026 bleibt offen
Zuletzt schied Matthias Hundt als Chief Digital Officer aus, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte – sein Engagement dauerte keine zehn Wochen. Eine gründliche Prüfung vor seiner Ernennung hatte offenbar nicht stattgefunden. Auf einem Parteitag vergangene Woche bestätigte die CDU Wegner dennoch als Spitzenkandidaten.
Die CDU liegt vier Prozentpunkte vor der AfD – ein Abstand, der ihren Führungsanspruch unterstreicht, aber auch zeigt, wie eng es dahinter zugeht: Zwischen AfD und SPD auf Platz fünf trennen die Parteien ebenfalls nur vier Prozentpunkte. Gemessen an diesen engen Abständen im Mittelfeld ist der Ausgang der Wahl noch längst nicht ausgemacht.
