
Brandanschlag
Wegner spielte beim Stromausfall Tennis – „Kopf freikriegen“
Aktualisiert am 07.01.2026 – 19:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Während im Südwesten Berlins der Strom ausfiel, griff der Regierende Bürgermeister zum Tennisschläger. Was diese Nachricht ausgelöst hat.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat eingeräumt, am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten Tennis gespielt zu haben – nun bricht ein Sturm der Entrüstung los. „Ich habe von 13.00 bis 14.00 Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“, sagte der CDU-Politiker dem Sender Welt TV. „Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.“ Zuvor hatte der RBB über das Thema berichtet.
Die Nachricht löste heftige Kritik aus. AfD und FDP forderten Wegners Rücktritt. Linke, Grüne und auch Steffen Krach vom Koalitionspartner SPD griffen Wegner scharf an, ohne explizit seinen Rücktritt zu verlangen. Der durch einen Brandanschlag ausgelöste Stromausfall bei bis zu 100.000 Menschen wurde erst Stunden vor Bekanntwerden der Nachricht behoben – nach fünf Tagen. Am Sonntag hatte Wegner mit Blick auf den betreffenden Samstag gesagt, er sei den ganzen Tag am Telefon gewesen und habe versucht zu koordinieren.
„Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt“, sagte Krach, der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September ist. „Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat, oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein. Beides ist inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig.“
Grünen-Fraktionschef Werner Graf zeigte sich „fassungslos“. „Das heißt, er hat um 8.00 Uhr erfahren, dass 45.000 Haushalte keinen Strom haben, und gesagt, er habe sich dann im Büro eingeschlossen und gearbeitet, ist aber zwischendurch Tennis spielen gegangen.“ Wegner habe der Bevölkerung „in einer dunklen Stunde dieser Stadt“ nicht die Wahrheit gesagt. „Da muss man ganz klar sagen, dass die Berlinerinnen und Berliner zu Recht ganz andere Ansprüche an einen Regierenden Bürgermeister haben.“
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: „Diese Stadt verdient einen Bürgermeister oder eben eine Bürgermeisterin, die zuerst an die Menschen dieser Stadt denkt, zuhört, anpackt und Krisen löst. Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.“
Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker meinte, Wegner müsse umgehend zurücktreten. „Es wäre schon schlimm genug, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin eine Notlage, die durch einen Terrorangriff auf die Infrastruktur der Stadt ausgelöst wurde, nicht ernst genug nimmt, um auf sein Tennismatch zu verzichten.“ Aber er habe die Berliner auch noch belogen. FDP-Landeschef Christoph Meyer erklärte: „Wer in der Krise nicht führt und anschließend die Öffentlichkeit belügt, kann dieses Amt nicht weiter ausüben. Kai Wegner muss zurücktreten.“