Weggefährte erinnert sich

„Er wollte nicht mehr leben“

16.03.2026 – 13:29 UhrLesedauer: 2 Min.

Jürgen Habermas: Der Philosoph ist im Alter von 96 Jahren gestorben. (Quelle: imago/Seeliger)

Deutschlands größter zeitgenössischer Denker Jürgen Habermas ist tot. Ein Weggefährte erinnert an schwere Schicksalsschläge in den letzten Lebensjahren des Philosophen.

Deutschland trauert um Jürgen Habermas. Ein Gastbeitrag im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gibt nun einen seltenen Einblick in die letzten Jahre des Philosophen.

Autor Michael Krüger, der ehemalige verlegerische Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags und ein langjähriger Freund des Denkers, erinnert sich an Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Abende – und an die Veränderungen, die die zurückliegenden Jahre mit sich brachten. So etwa der Tod seiner Tochter Rebekka Habermas 2023 und der Tod seiner Frau Ute im Vorjahr: „Er wollte nicht mehr leben und hat mit uns auch die Frage erörtert, wie er ‚möglichst unbemerkt verschwinden‘ könne“, so Krüger in der „FAZ“.

Michael Krüger erinnerte sich an einen letzten Besuch bei Habermas. Es blieb bei einem Versuch: „Am vergangenen Mittwoch hatten wir uns verabredet; nicht mehr im Restaurant, sondern bei ihm zu Hause“, so Krüger in seinem Gastbeitrag. Der Verleger weiter. „Er machte nicht mehr die Tür auf. Als ich ihn endlich am Telefon erreichte, entschuldigte er sich und bedankte sich für die lange Freundschaft. Mach’s gut, sagte ich, lahm und entsetzt zugleich, aber ich glaube, da hatte er schon aufgelegt.“

Auch im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) erinnerten sich Weggefährten an Habermas. Herfried Münkler etwa, langjähriger Professor für Politische Theorie an der HU Berlin. Habermas war demnach so etwas wie der letzte Fortschrittsoptimist unter den gewichtigen deutschen Denkern. Doch trafen ihn der Aufstieg der autoritären Rechten, der doppelte Wahlsieg von Donald Trump in den USA und Russlands Überfall auf die Ukraine schwer: „Habermas dürfte unter diesen Entwicklungen in den letzten Jahren sehr gelitten haben“, notierte Münkler in der „SZ“.

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