
Nicht jede Bewegung ist zuträglich
Wegen Arthrose die Treppe meiden – ist das ratsam?
16.01.2026 – 19:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Bewegung ist bei Arthrose mehr als empfehlenswert. Doch gilt das auch fürs Treppensteigen? Hier erfahren Sie, was dabei zu beachten ist.
Menschen mit Arthrose verspüren Schmerzen und Steifigkeit in einem oder mehreren Gelenken, häufig in Knie, Hüfte oder Fingern. Die betroffenen Gelenke werden immer schlechter beweglich und weniger belastbar, was im Alltag zu großen Schwierigkeiten führen kann. Die Treppe zur Wohnungstür, der Gang zum Briefkasten, Wäscheaufhängen: Was einst zum normalen Tagesablauf gehörte, ist zunehmend mit Schmerzen und Mühe verbunden.
Wer daraufhin versucht, sich möglichst zu schonen, gerät jedoch leicht in einen Teufelskreis. Bewegung ist ein zentraler Baustein der Arthrosebehandlung: Sie stärkt die Muskulatur, erhält die Gelenkfunktion und kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Zugleich gilt aber: Nicht jede Form von Belastung ist hilfreich. Manche Bewegungen fordern bestimmte Gelenke besonders stark. Treppensteigen beispielsweise ist gerade für das Knie belastend.
Treppensteigen trainiert verschiedene Muskelgruppen, die die Kniegelenke stabilisieren und die für die Beweglichkeit im Alltag wichtig sind. Zudem erfordert es neben Kraft auch Koordination. Regelmäßig die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen, erscheint somit als sinnvolle und einfache Maßnahme, um Kniebeschwerden vorzubeugen und möglichst lange fit und mobil zu bleiben, auch im höheren Lebensalter.
Andererseits wird der Knorpel im Kniegelenk beim Hinaufsteigen einer Treppe starkem Druck ausgesetzt, was die Sorge begründet, dass er dabei unter Umständen geschädigt werden könnte. Was also stimmt? Ist Treppensteigen nun gut oder schlecht fürs Gelenk?
Untersuchungen legen nahe, dass beides der Fall sein kann. In einer Studie begleiteten Forschende mehr als 500 Erwachsene über zwei Jahre. Die Teilnehmenden dokumentierten, wie viele Treppen sie im Alltag steigen. Zusätzlich wurden ihre Knie mithilfe von MRT-Aufnahmen untersucht, um Veränderungen am Knorpel sichtbar zu machen.
- Teilnehmende, die sehr selten die Treppe nahmen, hatten keine vermehrten Knorpelschäden hinter der Knieschiebe.
- Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Gruppe derjenigen, die sehr oft Treppen stiegen.
- Menschen mit einem mittleren Treppenpensum wiesen deutlich häufiger Knorpelschäden auf.
Der Zusammenhang zwischen Treppensteigen und Gelenkgesundheit scheint also komplizierter zu sein, als oft angenommen wird. Wer sehr häufig die Treppe nimmt, hat oft kräftigere Muskeln, die das Knie besser stabilisieren und schützen. Menschen, die nur gelegentlich die Treppe nehmen, bauen hingegen nicht unbedingt genug Muskulatur auf, um diese Schutzwirkung zu erzielen – ihre Knie werden beim Aufstieg also belastet, ohne ausreichend unterstützt zu sein.
Das heißt: Ob Treppensteigen dem Kniegelenk zugutekommt oder eher schadet, hängt wohl zu einem wesentlichen Teil davon ab, wie kräftig die umliegende Muskulatur ist. Hin und wieder die Treppe zu nehmen, ist als alleinige Trainingsmaßnahme nicht empfehlenswert. Ratsamer ist es, durch gezielte Kraftübungen vor allem die Bein- und Hüftmuskulatur zu stärken, die das Knie stabilisiert und entlastet.
Zusätzlich ist es sinnvoll, das Training um Koordinations- und Gleichgewichtsübungen zu ergänzen, um Bewegungen sicherer und kontrollierter ausführen zu können. Eine gute Koordination hilft dabei, Fehlbelastungen zu vermeiden, das Knie besser zu führen und die Kräfte gleichmäßiger über das Gelenk zu verteilen.