Die „Miss Germany“ soll heute für Empowerment statt Schönheitsideal stehen. Geschäftsführer Max Klemmer erklärt im Interview, warum er das Traditionsformat radikal umgebaut hat – und warum der Wandel umstritten bleibt.

Die Wahl zur „Miss Germany“ galt jahrzehntelang als klassischer Schönheitswettbewerb: junge Frauen auf der Bühne, bewertet nach ihrem Aussehen. Max Klemmer will dieses Bild hinter sich lassen.

Seit einigen Jahren versucht der Geschäftsführer der dahinterstehenden Firma, die traditionsreiche Marke seiner Familie neu aufzustellen – weg von der Krone für die Schönste, hin zu einem Wettbewerb für Frauen, die „Zukunft gestalten“. Statt Bikini-Walk geht es um eine Plattform für Gründerinnen, Aktivistinnen und Führungskräfte.

Doch der Name „Miss Germany“ bleibt – und mit ihm viele Fragen: Ist das wirklich ein Bruch mit alten Schönheitsidealen oder nur eine neue Erzählung für ein altes Format? Und kann ein Wettbewerb, bei dem Frauen gegeneinander antreten, tatsächlich für Empowerment stehen? Bei t-online steht Klemmer Rede und Antwort.

t-online: Herr Klemmer, Sie haben die Wahl zur „Miss Germany“ radikal umgebaut. Dafür haben Sie Ihrem Vater seinen Geschäftsanteil abgekauft, sind ins finanzielle Risiko gegangen – und haben die Beziehung zu Ihren Eltern aufs Spiel gesetzt. Warum war Ihnen dieser Neustart so wichtig?

Max Klemmer: Den Titel „Miss Germany“ gibt es seit 1927, und meine Familie prägt die Marke seit Jahrzehnten. Mein Großvater hat sie ab 1960 aufgebaut, mein Vater später weitergeführt. Ich selbst bin seit 2014 im Unternehmen, seit 2017 vollständig. Als ich mir die Strukturen genauer angeschaut habe, wurde mir klar: Die klassische Schönheitswahl passt nicht mehr in unsere Zeit.

Es war lange ein Wettbewerb, bei dem Frauen auf der Bühne standen und nach ihrem Aussehen bewertet wurden. Dieses Bild – das, was oft auch als „Fleischbeschau“ kritisiert wurde – konnte ich persönlich nicht mehr vertreten. Deshalb habe ich 2019 im Familienkreis gesagt: Wenn ich das weiterführe, dann nicht mehr in dieser Form.

Also kein Schönheitswettbewerb mehr?

Genau. Wir wollten weg von der Reduktion auf Äußerlichkeiten. Stattdessen geht es heute um Frauen, die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten.

Trotzdem heißt das Format weiterhin „Miss Germany“. Viele verbinden damit genau das überkommene Bild, das Frauen objektifiziert.

Das stimmt. Aber gerade deshalb behalten wir den Namen bewusst bei. Er ruft diese alten Bilder hervor – aber wir versuchen, sie zu brechen. Früher ging es stark um äußere Attribute, um die Maße 90-60-90. Heute geht es darum, was jemand bewegt.

Was bedeutet das konkret?

Wir haben drei Kategorien eingeführt: „Female Founder“, „Female Mover“ und „Female Leader“. Aus jeder Kategorie wird eine Gewinnerin gekürt. Aus diesen drei wählt dann das Publikum die „Miss Germany“ – per Abstimmung in der Joyn-App. Es geht um Frauen, die Zukunft gestalten – die gründen, führen, Verantwortung übernehmen, auch in männerdominierten Feldern. Bewertet wird nach drei Kriterien: Professionalität, Entwicklungspotenzial und Inspirationsfähigkeit.

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