
Nicht immer Rheuma
Was steckt hinter Gelenkbeschwerden in den Wechseljahren?
Aktualisiert am 23.11.2025 – 11:06 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Frauen entwickeln in den Wechseljahren Gelenkbeschwerden. Woran das liegen kann und was Betroffene tun können, erfahren Sie hier.
Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche hormonelle Umstellungsphase im Leben einer Frau. Dennoch können in dieser Zeit verschiedene unangenehme körperliche Veränderungen und Beschwerden auftreten. Typisch sind nicht nur Hitzewallungen und Scheidentrockenheit: Auch Gelenkschmerzen, -steifigkeit und -schwellungen kommen bei Frauen in und nach den Wechseljahren häufig vor. Fachleute gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Frauen nach der Menopause – also der letzten Regelblutung – betroffen sind.
Bei den meisten Frauen beginnen die Wechseljahre in den Vierzigern. Ab diesem Alter steigt das Risiko für Gelenkbeschwerden ohnehin, unabhängig vom Geschlecht: Je älter eine Person wird, umso anfälliger ist sie für Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder rheumatoide Arthritis.
Arthrose und rheumatoide Arthritis sind zwei verschiedene Krankheiten. Arthrose entsteht, wenn sich der Gelenkknorpel im Laufe der Zeit abnutzt. Die Gelenke schmerzen vor allem bei Bewegung oder Belastung. Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich dagegen um eine chronische Entzündung, bei der das Immunsystem irrtümlich die Gelenke angreift. Typisch sind geschwollene, steife und schmerzende Gelenke, besonders morgens nach dem Aufstehen oder in Ruhe.
Das Alter ist jedoch nicht der einzige denkbare Grund, warum so viele Frauen in den Wechseljahren Probleme mit ihren Gelenken bekommen. Das zeigt sich schon daran, dass gleichaltrige Männer weitaus seltener damit zu tun haben. Das Geschlecht spielt also offenkundig eine Rolle – nur welche?
Entscheidend sind wahrscheinlich vor allem die Hormone. Bei Frauen vollziehen sich im mittleren beziehungsweise höheren Lebensalter hormonelle Veränderungen, die bei Männern nicht stattfinden: In den Wechseljahren sinkt der Spiegel der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron. Das wirkt sich nicht nur auf die Fruchtbarkeit aus, sondern auch auf den Bewegungsapparat, genauer: die Knochen, Knorpel, Gelenke und die Muskulatur.
Insbesondere Östrogen wird im Körper für weit mehr gebraucht als nur für die Fortpflanzung. Es beeinflusst unter anderem:
- die Gesundheit von Knorpeln und Gelenken
- das Schmerzempfinden
- die Muskulatur
- die Funktion des Immunsystems und somit Entzündungsprozesse
Östrogen mindert Schmerzen, hemmt Entzündungen, schützt Knorpelzellen vor Schädigungen und fördert die Bildung von Kollagen, das den Knorpeln, Knochen, Sehnen, Haut und anderen Geweben Stabilität und Elastizität verleiht.
Sinkt der Östrogenspiegel, werden die Gelenkknorpel dünner, empfindlicher, weniger belastbar und anfälliger für Schäden. Zugleich lastet auf den Gelenken mehr Gewicht, weil die Muskulatur schwächer wird und viele Frauen im mittleren und höheren Lebensalter zunehmen.
Hinzu kommt die erhöhte Schmerzwahrnehmung, die ebenfalls mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammenhängt. Schädigungen, beginnender Verschleiß und Entzündungsprozesse in den Gelenken bis hin zu Gelenkerkrankungen wie Arthrose und rheumatoider Arthritis werden dadurch unter Umständen eher spürbar.
Dauerhafte oder wiederkehrende Gelenkbeschwerden sind ärztlich abzuklären – das gilt für Menschen aller Geschlechter und Altersgruppen. Betroffene können sich an ihre hausärztliche oder eine orthopädische Praxis wenden.
Die Ärztin oder der Arzt muss zunächst durch ein ausführliches Gespräch und bestimmte Untersuchungen ermitteln, was genau hinter den Beschwerden steckt. Zu den denkbaren Ursachen gehören die erwähnten hormonell mitbedingten Veränderungen am Bewegungsapparat und die durch sie begünstigten Erkrankungen Arthrose und rheumatoide Arthritis. Aber nicht nur: Eine Vielzahl an Erkrankungen kann Gelenkbeschwerden auslösen oder mit ihnen einhergehen, beispielsweise verschiedene Infektionen sowie die chronisch-entzündliche Erkrankung systemischer Lupus erythematodes.