Was steckt hinter dem Ritual?

Wissen und Kultur

Warum manche Kulturen laut trommeln, bis Menschen in Trance fallen


16.01.2026 – 11:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Mann mit Trommel: Einige indigene Völker setzen Trommeln gezielt für Trancezustände ein. (Quelle: IMAGO/Ghawam Kouchaki/imago)

Lautes Trommeln spielt in einigen Kulturen eine zentrale Rolle bei Ritualen. Es kann Menschen in Trance versetzen. Was steckt dahinter?

Monotone Trommelschläge, gleichförmige Bewegungen und tanzende Gruppen sind in vielen Kulturen ein Teil fester Rituale, etwa in Sri Lanka oder Singapur. Außenstehende erleben diese Situationen oft als fremd oder überwältigend. Doch das Tranceritual Trommeln folgt klaren Regeln und nutzt Mechanismen, die tief im Menschen verankert sind.

Gleichmäßige Trommelrhythmen wirken direkt auf den menschlichen Organismus. Forschung zeigt, dass sich Atmung, Herzschlag und Muskelspannung unbewusst an wiederkehrende Takte anpassen. Dieser Effekt wird als rhythmische Synchronisation beschrieben.

Das Gehirn reagiert ebenfalls. Wiederholte akustische Impulse können die Aufmerksamkeit nach innen lenken und äußere Reize in den Hintergrund treten lassen. Gedanken verlangsamen sich, Zeit wird anders wahrgenommen. Genau dieser Zustand bildet die Grundlage für Tranceerfahrungen, wie sie beim Trommeln als Tranceritual gezielt herbeigeführt werden.

Trance entsteht nicht nur durch den Körper, sondern auch durch die Gemeinschaft. Lautes Trommeln synchronisiert Gruppen, wodurch ein Gefühl von Zusammenhalt und kollektiver Aufmerksamkeit entsteht.

In vielen Kulturen gilt: Wer gemeinsam den Rhythmus spürt, erlebt Rituale intensiver. Kulturell bedingte Rhythmen und Schlagmuster verstärken die Wirkung. Rituale nutzen dies gezielt für Heilung, spirituelle Erfahrungen oder Initiationen.

Studien zeigen, dass wiederholte Rhythmen das Gehirn in einen Zustand ähnlicher Entspannung wie Meditation versetzen können. Sensorische Stimulation durch laute Trommeln aktiviert Bereiche im Gehirn, die für Aufmerksamkeit und Körperempfinden zuständig sind. Das erklärt, warum Teilnehmer von Tranceritualen mit Trommeln von intensiven, subjektiven Erfahrungen berichten.

Wer an Trancezuständen interessiert ist, stößt in vielen Kulturen auf ähnliche Rituale. Schamanen in Südamerika nutzen zum Beispiel Kakaozeremonien oder Ayahuasca-Rituale, um Teilnehmer in veränderte Bewusstseinszustände zu führen. Diese Rituale zeigen, wie universell der menschliche Drang ist, Körper und Geist über rhythmische oder psychoaktive Erfahrungen zu erweitern.

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