Wirksamkeit wissenschaftlich untersucht
Was bringen Kinesiotapes? Studie zieht ernüchterndes Fazit
07.04.2026 – 14:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Kinesiotapes sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten. Eine neue Studie gibt den Skeptikern recht.
Wer über Nackenverspannungen, eine Muskelzerrung oder einen Tennisarm klagt, hört nicht selten den Rat: Lass dich doch tapen! Gemeint ist damit eine Behandlungsform, die ihre Ursprünge in Japan hat und seit einigen Jahren auch in Deutschland große Popularität genießt. Die bunten elastischen Klebestreifen, sogenannte Kinesiotapes, finden sowohl im Amateur- als auch im Leistungssport Anwendung. Sie sollen verschiedenste Muskel- und Gelenkbeschwerden lindern. In der Regel werden sie von Physiotherapeuten oder Sportmedizinern angebracht – zumindest von jenen, die der Methode einen Nutzen zuschreiben.
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es dazu kaum Anlass: Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass die derzeitige Studienlage zur Wirksamkeit der Tapes bei Erkrankungen des Bewegungsapparates „sehr unsicher“ ist.
Wie sollen Kinesiotapes wirken?
Die Idee hinter dem Tapen ist einfach: Durch die leichte Spannung der Klebestreifen soll die Haut leicht angehoben werden. Dadurch sollen Sinnesrezeptoren stimuliert, die Durchblutung verbessert und Schmerzen gelindert werden. Zugleich sollen Muskeln und Gelenke wieder beweglicher werden.
Die Methode wurde in den 1970er-Jahren vom Chiropraktiker Kenzo Kase entwickelt. Seither hat sie sich weltweit verbreitet. Auch die Forschung interessiert sich bereits seit Jahrzehnten für das Verfahren. Inzwischen liegen mehrere Hundert Untersuchungen und zahlreiche Übersichtsstudien zu dessen Nutzen bei verschiedenen Beschwerden des Bewegungsapparates vor.
Umfangreiche Analyse der Studienlage
Für die aktuelle Metaanalyse wertete das Forschungsteam 128 Übersichtsarbeiten aus. Diese wiederum beruhen auf Daten von insgesamt 15.812 Testpersonen. Der Fokus lag auf den Effekten des Tapings bei 29 unterschiedlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates, darunter:
Die meisten Studien beschäftigten sich mit Beschwerden der unteren Extremitäten, also der Beine und Füße. Besonders ging es dabei um den Einfluss auf die Stärke der Schmerzen.
Unsichere Hinweise auf kurzfristige Effekte
Bei einem Großteil (78 Prozent) der analysierten Übersichtsarbeiten stellten die Forscher methodische Schwächen fest. Die Auswertung lieferte zwar Hinweise darauf, dass das Taping kurzfristig gegen die Schmerzen helfen und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Körperteils verbessern könnte. Die Aussagekraft der Evidenz dafür beurteilt das Team allerdings als „sehr niedrig“.
Für einen mittelfristigen oder gar langfristigen Nutzen fanden die Wissenschaftler hingegen keine überzeugenden Belege. Weder bei Schmerzen noch bei Beweglichkeit, Muskelkraft oder funktionellen Einschränkungen ließen sich nennenswerte Verbesserungen nachweisen.
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Warum helfen die Tapes manchen?
Manche Menschen schwören auf die Tapes, weil sie bei ihnen scheinbar zuverlässig wirken. Ein möglicher Grund dafür ist der sogenannte Placebo-Effekt. Zudem verlaufen die Beschwerden, die mit Erkrankungen des Bewegungsapparates einhergehen, häufig in Wellen oder Schwankungen. Verbessern sich die Symptome, führen Patientinnen und Patienten dies mitunter fälschlicherweise auf das Tape zurück, obwohl die Linderung auch ohne Behandlung vorübergehend eingetreten wäre.
Die gute Nachricht: Wenngleich der therapeutische Nutzen von Kinesiotapes fraglich ist, birgt das Verfahren immerhin wenige Risiken. Nebenwirkungen sind zwar möglich, unter anderem kann es zu Hautreizungen oder Juckreiz kommen. Derartige Beschwerden verlaufen aber mild und treten generell selten auf.
