Was ist das? Und wie wird sie ermittelt?

Wetterlexikon

Gefühlte Temperatur: Was ist das? Und wie wird sie ermittelt?


03.02.2026 – 11:58 UhrLesedauer: 2 Min.

Die gefühlte Temperatur in Deutschland am 3. Februar 2026: Der DWD zieht das Klima-Michel-Modell heran, um sie zu ermitteln. (Quelle: DWD)

Ob im Winter oder Sommer: Die gefühlte Temperatur unterscheidet sich oft deutlich von der Gradanzahl auf dem Thermometer. Aber wie kommt es dazu? Und wie wird sie berechnet?

Wer in Deutschland im Fernsehen einem Wetterbericht lauscht oder auch die Wetterberichterstattung bei t-online verfolgt, der findet Temperaturangaben vor, die einen bestimmten Wert beziffern: nämlich die erwartete Lufttemperatur in Grad Celsius, meist als Höchstwert am Tag und Tiefstwert in der Nacht. Grundlage sind Messungen in zwei Metern Höhe an offiziellen Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Um das thermische Empfinden des Menschen zu beschreiben, wird die sogenannte gefühlte Temperatur ermittelt. Sie wird als Funktion mehrerer Einflussgrößen berechnet. Dazu zählen die Lufttemperatur, die Windgeschwindigkeit, der Wasserdampfdruck, die mittlere Strahlungstemperatur sowie der Aktivitätsgrad des Menschen und der Isolationswert der Kleidung.

Zur Berechnung der gefühlten Temperatur setzt der Deutsche Wetterdienst seit 1989 das Klima-Michel-Modell ein. Das Modell beschreibt das durchschnittliche subjektive Empfinden eines standardisierten Modellmenschen, des sogenannten „Klima-Michel“.

Damit versucht der Wetterdienst zu ermitteln, wie der Durchschnittsdeutsche die Temperaturen wahrnimmt. Der „Wetter-Michel“ ist männlich, 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß und 75 Kilogramm schwer. Außerdem geht der DWD davon aus, dass er sich mit einer Geschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde zu Fuß bewegt und für die jeweilige Jahreszeit passende Kleidung trägt. Im Sommer trägt der „Wetter-Michel“ ein kurzärmeliges Hemd, eine leichte lange Hose und Sandalen; im Winter einen Wintermantel, eine Kopfbedeckung und warme Schuhe. Mit diesen Werten lässt sich sein Energiehaushalt berechnen.

Zur Ermittlung der gefühlten Temperatur wird schließlich das Klima-Michel-Modell in Kombination mit der Behaglichkeitsgleichung des dänischen Ingenieurs P.O. Fanger gesetzt. Sie bestimmt das thermische Wohlbefinden durch eine Beziehung von sechs Parametern: Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftgeschwindigkeit, Luftfeuchte, Bekleidung und Aktivitätsgrad.

Doch das Klima-Michel-Modell des DWD hat einen großen Haken. Da Menschen sich vom „Wetter-Michel“ mitunter sehr unterscheiden, kann auch die gefühlte Temperatur von Person zu Person schwanken. Sie ist also höchst subjektiv. Frauen werden in diesem Modell zum Beispiel nicht berücksichtigt.

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