Damit hat die Bundesregierung bereits Tatsachen geschaffen, noch bevor die Rentenkommission ihre Vorschläge für Reformen vorlegen konnte. Bis Ende Juni soll das Gremium unter anderem „eine neue Kenngröße für ein Gesamtversorgungsniveau über alle drei Rentensäulen prüfen“, heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Sie soll also definieren, wie viel jede Säule zur Versorgung im Alter beitragen soll. Dass die Koalition schon vorgeprescht ist, passt zu den Aussagen von Kanzler Merz bei der Deutschen Börse und jetzt erneut beim Bankenverband. Die Rentenkommission möge die drei Säulen bitte im Verhältnis zueinander neu gewichten, aber in jedem Fall so, dass die private und die betriebliche Säule mehr Lasten tragen.

Spannend wird, ob das Gremium die neue Kenngröße nur als Rechenergebnis versteht, dem es bestimmte Annahmen zugrunde legt – etwa beim Rentenniveau, das den „Standardrentner“ als Beschäftigten definiert, der 45 Jahre lang immer zum Durchschnittsverdienst arbeitet –, oder ob es das neue Gesamtversorgungsniveau als sozialpolitische Zielmarke versteht. Sprich: Wie viel Geld soll am Ende eigentlich für die Bürger über alle drei Säulen herausspringen, damit sie im Alter gut leben können? Und wie kann man das am besten erreichen?

So jedenfalls will auch die Deutsche Rentenversicherung selbst das Gesamtversorgungsniveau verstanden wissen. „Wir brauchen ein Leitbild für die Zukunft der Rente“, sagte die alternierende Vorsitzende des Bundesvorstands der Deutschen Rentenversicherung Bund, Anja Piel, schon im vergangenen November auf einer Veranstaltung vor Journalisten, und wies auch darauf hin, dass dieses politische Ziel über „sich ergänzende Systeme“ erreicht werden sollte.

Die eigentliche Schwierigkeit wird jedoch wie bisher darin bestehen, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung schlicht kein Geld zur Verfügung hat, um zusätzlich vorzusorgen. Sollte die gesetzliche Rente künftig noch weniger abwerfen als ohnehin schon, trifft es diese Menschen besonders hart.

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