
Gestörte Sexualfunktion
Erektionsprobleme: Was die Prostata damit zu tun hat
Aktualisiert am 21.12.2025 – 07:50 UhrLesedauer: 4 Min.
Ab dem 50. Lebensjahr steigt bei Männern das Risiko für Prostatabeschwerden. Ein unangenehmes Symptom sind Erektionsprobleme. Warum das so ist.
Häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge, das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase – aber auch eine gestörte Ejakulation können die Folge einer gutartig vergrößerten Prostata sein. Bei Prostatakrebs kommt es häufig zur erektilen Dysfunktion – entweder durch wucherndes Gewebe oder infolge der Krebstherapie. Was Männer wissen sollten.
Zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr beginnt die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, zu wachsen. Symptome verursacht das gutartig vergrößerte Prostatagewebe, auch benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt, häufig ab dem 50. Lebensjahr. Treten Beschwerden auf, spricht man auch vom benignen Prostatasyndrom (PBS). Im Alter von 50 bis 59 Jahren sind etwa 20 bis 45 von 100 Männern betroffen. Im höheren Lebensalter werden die Beschwerden häufiger: Bis zu 70 von 100 Männern über 70 Jahre haben aufgrund der Gewebevermehrung Beschwerden – vor allem beim Urinieren.
„Auch wenn die benigne Prostatahyperplasie gutartig ist, so kann sie bei Männern teils doch erhebliche Beschwerden hervorrufen. Männer sollten körperliche Veränderungen wie ständigen Harndrang, häufige nächtliche Toilettengänge, einen schwächeren Harnstrahl, Nachtröpfeln sowie das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase ärztlich abklären lassen, auch um andere Ursachen auszuschließen“, sagt Dr. Susanne Weg-Remers.
Auch auf die Sexualität kann sich eine gutartig vergrößerte Prostata auswirken. Häufig sind Probleme bei der Ejakulation. Die Prostata umschließt die Harnröhre. Drückt die vergrößerte Vorsteherdrüse die Harnröhre und die Ausführungsgänge der Samenflüssigkeit zusammen, kann sich der Samenerguss verändern. Die Spermienmenge kann geringer sein oder ganz ausbleiben.
Ebenso können Entzündungsprozesse der Prostata die Bildung der Samenflüssigkeit beeinträchtigen. Und nicht nur das: Entzündungsreaktionen können zu Schmerzen führen. Schmerzen bei der Ejakulation stören das Lustempfinden und die Erektionsfähigkeit teils erheblich. Die Sorge vor den unangenehmen Empfindungen kann die Freude am Sex schmälern und die Erektion erschweren.
Erektionsprobleme im Rahmen einer gutartigen Prostatavergrößerung sind denkbar, wenn die direkt neben der Prostata verlaufenden wichtigen Erektionsnerven beeinträchtigt sind. Das kann bei einer stark ausgeprägten Vergrößerung der Fall sein. Auch ist es möglich, dass dadurch das Lustempfinden nachlässt.
Möglich ist auch, dass die Therapie der gutartig vergrößerten Prostata die Sexualfunktion stört. Beispielsweise können Alphablocker zu einer retrograden Ejakulation führen, bei der Spermienflüssigkeit rückwärts in die Harnblase ausgestoßen wird. Die Einnahme von 5-alpha-Reduktasehemmern kann ebenfalls Ejakulationsstörungen zur Folge haben, ebenso Erektionsstörungen und nachlassende Libido.
„Operiert wird die gutartig vergrößerte Prostata in der Regel dann, wenn Medikamente nicht die erhoffte Erleichterung bringen oder nicht gut vertragen werden. Auch wiederholte Infektionen oder Harnverhalt können Gründe für eine Operation sein“, sagt Weg-Remers. „Hierbei ist nicht auszuschließen, dass im Rahmen der Operation unter Umständen Gewebe- und Nervenschäden entstehen, welche die Sexualfunktion anhaltend beeinträchtigen. Dieses Risiko besteht auch bei der Operation von Prostatakrebs.“