
Das ist ehrlich gesagt toll. Ich habe mir immer gewünscht, einmal auf 40 Jahre Karriere zurückblicken zu können. Ich bin dankbar für jedes einzelne Jahr, auch für die Rückschläge. Was ich erleben durfte, das war ein reiches großes Geschenk.
Ich hätte mehr darauf achten müssen, dass sich überhaupt keine Diskriminierung in meiner Kunst findet.
Hape Kerkeling
Gibt es Tabubrüche oder Gags, an die Sie sich heute nicht mehr trauen würden?
Es wird immer so geschimpft auf die sogenannte Wokeness. Ich möchte hier mal eine Lanze für die Wokeness brechen. Wokeness heißt nichts anderes, als dass wir alle sensibler werden für unser Gegenüber und darauf achten, die Grenze des anderen einzuhalten, ihn zu respektieren, nach Möglichkeit nicht zu diskriminieren. Und wenn ich mir alte Sketche von mir anschaue, habe ich diesen Pfad manchmal zwar nicht dramatisch, aber doch ein wenig verlassen. Ich hätte mehr darauf achten müssen, dass sich überhaupt keine Diskriminierung in meiner Kunst findet.
Gelingt es Ihnen mittlerweile besser, darauf zu achten?
Ja. Ich will das Beispiel eigentlich gar nicht bringen, aber: Als ich mein letztes Buch schrieb, wollte ich von der sogenannten „buckligen Verwandtschaft“ schreiben. Und dann dachte ich mir, nein, das ist ein diskriminierender Begriff. Deswegen werde ich den nicht benutzen. Ich muss einen neuen erfinden, der nicht diskriminierend ist. Ich finde es gut, dass die Wokeness mich daran erinnert. Deshalb mag ich auch Quoten, die darauf achten, dass Menschen mit diversen Hintergründen verstärkt in Fernsehspielen auftreten. All das finde ich erst mal richtig, damit wir hoffentlich sensibler werden. Aber leider erreichen wir damit nicht alle. Es gibt eben auch das Gegenteil, Menschen, die sich dadurch umso mehr radikalisieren.
Sie finden also, dass im Comedy- und Satirebereich heute mehr Rücksicht auf mögliche Diskriminierungen genommen werden sollte, als dies früher der Fall war?
Man muss auf jeden Fall sensibler sein. Wo entgleitet Comedy? Wo spaltet sie? Man sollte niemanden ausschließen. Klar darf man auch mal ein Bashing machen und über die Grenze hinausschießen, aber grundsätzlich sollte es eher einen verbindenden Charakter haben.
Sie haben sich in der Vergangenheit schon öfter klar politisch geäußert, sich auch gegen die AfD ausgesprochen. Weil Sie es als in der Öffentlichkeit stehende Person für Ihre Pflicht halten?