
Kälte draußen, trockene Heizungsluft drinnen: Der Winter ist eine Herausforderung für unsere Nase. Umso wichtiger ist es, einige Angewohnheiten zu unterlassen.
Eigentlich ist ja alles ganz menschlich. Trotzdem gibt es im Alltag Situationen mit unseren Mitmenschen, denen wir besser nicht beiwohnen möchten: Hochgeehrte oder anderweitig verdiente Respektspersonen büßen schnell empfindlich an Renommee ein, wenn sie in unserem Gesichtskreis weltentrückt und zeitvergessen in der Nase pulen und nach tiefem Bohren allerlei aus ihrem Riechkolben herausbefördern.
Und das, obwohl wir doch zu unseren eigenen Bohrergebnissen kein so verspanntes Verhältnis haben. Im Gegenteil: wir betrachten fasziniert Farbe und Konsistenz dessen, was soeben im Taschentuch gelandet ist, oder was wir mithilfe unserer Finger aus dem Schacht ans Tageslicht befördert haben. Wozu sonst hätte uns die Natur dieses edle Inbusschlüsselset mit verschiedenen Durchmessern geschenkt, wenn nicht für die ausgiebige Reinigung der Nase? Oder schauen Sie etwa nicht mit prüfendem Blick ins Taschentuch, um zu kontrollieren, was sie da Schönes produziert haben? Genießen Sie etwa nicht das befreiende Gefühl, wenn man sich eines Rundum-Borke-Popels entledigt hat?
Und, Männer – wie herrlich lässt es sich beim Joggen oder Kicken rotzen, wenn man nur ein Nasenloch zudrückt und aus dem andern mit Hochdruck einen Schleimklumpen herauskatapultiert. Lieblingsort zum Popeln scheint irgendwie das Auto zu sein. Als habe es keine Fenster, sitzen die Fahrer an der Ampel hinterm Lenkrad und schürfen versonnen ausgiebig in der Nase.
Ekel vor fremden Popeln empfinden wir deshalb, weil unser Hirn über Millionen von Jahren gelernt hat, dass manche Dinge eher krank machen und dem Erhalt unserer Existenz abträglich sein könnten: Tatsächlich waren gefährlich gelb-grüne infektiöse Popel in Zeiten vor der Entwicklung von Antibiotika durchaus eine ernsthafte Bedrohung. Die grüne Farbe hatte Signalwirkung, zeigte Bakterienalarm (und den Immunzellen- und Enzymkampf dagegen) an, die gelbe Farbe Eiter.
Popel und Rotz bestehen aus mehreren Komponenten: dem wässrig-schleimigen Sekret der Nasendrüsen und dem Schleim der sogenannten Becherzellen. Die heißen so, weil sie im Querschnitt an schnucklige Joghurtbecher erinnern. Die Zellen sitzen in der Schleimhaut und entleeren ihren Inhalt, um die Nasenschleimhaut zu benetzen. Dort sorgen die Schleimstoffe samt Beimischung wässriger Komponenten aus den Drüsen für eine gummiartige bis eingetrocknete Konsistenz, was die vielfältigen Aggregatzustände im Popelsegment erklärt. Popel sind mehr oder weniger angetrocknete Nasensekrete mit Beimischungen von Staub, Blut, Eiter oder Erregern.