Warum Nachtfahrten so anstrengend sind

Viele fühlen sich unwohl

Warum Autofahren bei Dunkelheit so anstrengend ist


21.11.2025 – 07:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Fahren bei Nacht: Für den Körper ist es herausfordernd. (Quelle: IMAGO/Jose Carlos Ichiro/imago)

Nächtliches Autofahren überfordert viele. Woran das liegt, wie man sich vorbereiten kann und in welchem Fall auch Technik nicht hilft.

Viele Autofahrer fühlen sich bei Dunkelheit unwohl. Besonders Frauen schätzen ihr Sehvermögen in der Nacht häufig als unzureichend ein: Nur 40 Prozent halten es für gut. Jede dritte Frau versucht laut einer Umfrage der Kfz-Versicherung DA Direkt, Fahrten bei Dunkelheit zu vermeiden. Männer sind hier deutlich selbstbewusster – zwei Drittel geben an, nachts gut sehen zu können. Und auch das Alter spielt eine Rolle: Während 45 Prozent der Unter-30-Jährigen nächtliche Autofahrten wegen des geringeren Verkehrs sogar als angenehm empfinden, sinkt der Anteil bei den über 60-Jährigen auf nur noch 31 Prozent.

Bei Dunkelheit und Dämmerung ist das Auge besonders gefordert. Die ständige Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse – etwa durch entgegenkommende Scheinwerfer, unzureichende Beleuchtung oder Regen – strengt an und kann die Reaktionszeit verlängern. Wer schlecht sieht, schätzt Entfernungen oft ungenau ein. Unsicherheit, eine niedrigere Geschwindigkeit und ein höheres Unfallrisiko sind mögliche Folgen.

Hinzu kommt: Autofahrten in der Nacht laufen dem natürlichen Biorhythmus zuwider. Der Körper ist abends auf Ruhe eingestellt – besonders zwischen drei und vier Uhr morgens befindet sich der Mensch im sogenannten biologischen Tief. Müdigkeit beeinträchtigt Konzentration und Aufmerksamkeit, oft schleichend. Wer vor Nachtfahrten Medikamente einnimmt, sollte den Beipackzettel genau lesen: Einige Wirkstoffe machen müde, andere – etwa bestimmte Schmerzmittel – verengen die Pupillen und reduzieren das Sehvermögen zusätzlich.

Nicht nur Müdigkeit schränkt das Sehen bei Nacht ein – auch Erkrankungen wie der Graue Star oder angeborene Nachtblindheit wirken sich aus. Der Graue Star führt zu einer Eintrübung der Linse und erhöhtem Blendempfinden. Viele bemerken ihn zunächst nicht. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt – besonders ab 50 Jahren – sind deshalb sinnvoll. Nachtblindheit dagegen ist meist angeboren oder entwickelt sich schleichend. Sie lässt sich nicht behandeln und wird bei üblichen Sehtests häufig nicht erkannt.

Moderne Autos bieten mit Nachtsichtassistenten technische Unterstützung für Fahrten im Dunkeln. Wärmebildkameras zeigen Hindernisse oder Tiere oft früher als das menschliche Auge. Doch solche Systeme haben Grenzen – und können bei manchen Fahrern zu einer trügerischen Sicherheit führen. Vor allem jüngere Fahrer überschätzen dabei gelegentlich ihre Fähigkeiten.

Wer nachts sicher unterwegs sein will, sollte auf klare Sicht achten – im wörtlichen Sinne. Saubere Scheiben verhindern störendes Streulicht, saubere Scheinwerfer verbessern die Ausleuchtung. Wichtig ist auch: rechtzeitig Pausen einlegen. Bei Anzeichen von Müdigkeit hilft manchmal schon ein kurzes Nickerchen – der sogenannte Schlüssel-Test kann dabei als einfache Hilfe dienen: Autositz zurückdrehen, Schlüssel in die Hand nehmen, die Augen schließen und der Müdigkeit nachgeben. Fällt der Schlüssel aus der Hand, wurde die Tiefschlafphase erreicht. Kaffee sollte, Sie frühzeitig trinken: Die Wirkung setzt erst nach rund 30 Minuten ein.

Wer regelmäßig nachts fährt, etwa beruflich, passt sich mit der Zeit an. Der Körper gewöhnt sich an den veränderten Rhythmus. Schwieriger ist das für Gelegenheitsfahrer. Für sie gilt: Nachtfahrten nur gut vorbereitet antreten – oder nach Möglichkeit vermeiden.

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