Der Schickmacher

Fast jeder trägt sie – kaum jemand kennt ihren Ursprung


Aktualisiert am 19.07.2026 – 08:10 UhrLesedauer: 3 Min.

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Daniel Craig: Selbst Bonds Krawatte hat ihren Ursprung „à la Croate“ im 17. Jahrhundert. (Quelle: IMAGO)

Krawatten – eine englische oder italienische Erfindung? Weit gefehlt: Historische Quellen führen ihren Ursprung ausgerechnet nach Kroatien.

James Bond trägt sie. Madonna ebenfalls. Auch Staats- und Regierungschefs wie Emmanuel Macron oder Friedrich Merz greifen regelmäßig zur Krawatte. Doch wer hat sie eigentlich erfunden? Die Engländer – könnte man aufgrund des Windsor-Knotens vermuten. Doch das ist falsch. Dieser stammt historischen Quellen zufolge höchstwahrscheinlich nicht aus England, sondern aus dem Italien der 1930er-Jahre. Und die Krawatte selbst? Ihre Geschichte beginnt ausgerechnet im Krieg – allerdings weder in Italien noch in England.

Warum die Krawatte ihren Namen den Kroaten verdankt

Die Krawatte verdankt ihren Namen und ihre weltweite Verbreitung den kroatischen Soldaten des 17. Jahrhunderts.

Eine oft erzählte Geschichte lautet so: Französische Soldaten fragten kroatische Kämpfer, was sie um den Hals trugen. Die Kroaten hätten die Frage als Nachfrage nach ihrer Herkunft verstanden und mit „Kroate“ (Hrvat beziehungsweise Croat) geantwortet. Daraus soll schließlich der Name der Krawatte entstanden sein.

Diese Geschichte gehört allerdings ins Reich der sprachlichen Anekdoten. Historische Belege dafür gibt es nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die Franzosen den Halsschmuck schlicht nach den kroatischen Regimentern benannten.

Der historische Ursprung der Krawatte

Auch wenn der angebliche Dialog zwischen den Soldaten wohl eine spätere Ausschmückung ist, gilt der historische Kern als gesichert: Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) kämpften kroatische Soldaten auf französischer Seite unter König Ludwig XIII. und später Ludwig XIV.

Frankreich war von den militärischen Fähigkeiten der Kroaten so beeindruckt, dass es im Jahr 1633 die erste offizielle kroatische Kavallerie-Einheit innerhalb der französischen Armee gründete.

Die kroatischen Reiter trugen kunstvoll geknotete Halstücher als Teil ihrer Uniform. Bei den frühen Audienzen fiel dem Hof das charakteristische Halstuch zum ersten Mal auf. Einfache Soldaten verwendeten grobe Leinentücher, Offiziere hingegen feine Seide. Die Tücher dienten dabei nicht nur der Zierde: Sie schützten den Hals vor Kälte und hielten Pulverdampf sowie Rauch im Schlachtgetümmel vom Gesicht fern.

Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar dringt in Breisach an der deutsch-französischen Grenze ein: Zu den Aufgaben kroatischer Söldner im Dreißigjährigen Krieg gehörten schnelle Aufklärung, Flankenangriffe, die Störung von Nachschublinien und plötzliche Überfälle. (Quelle: Christine_Kohler)

Liebespfand oder Legende?

Auch bei den romantischen Details verläuft die Grenze zwischen Geschichte und Legende unscharf. So erzählt eine weitere populäre Überlieferung, dass kroatische Frauen ihren Männern vor dem Krieg rote Halstücher als Liebespfand umgebunden hätten. Diese Geschichte lässt sich jedoch ebenso wenig historisch eindeutig belegen wie der Dialog zwischen Franzosen und Kroaten.

Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte (Archivfoto): Auch Staats- und Regierungschefs tragen Krawatten aus dem Geschäft Kroata in Zagreb. (Quelle: IMAGO/Christian Liewig / Bestimage/imago)

Wie aus dem „Kroaten“ die Krawatte wurde

Der modebewusste französische Hof war jedenfalls von den Tüchern der kroatischen Soldaten offenbar begeistert. Die Franzosen übernahmen ihn und bezeichneten ihn zunächst als „à la Croate“ – also „nach kroatischer Art“. Das damalige französische Wort für Kroate lautete „Croate“, im altfranzösischen Dialekt auch „Cravate“. Daraus entwickelte sich das französische Wort „la cravate“.

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