Wussten Sie es?

Die geheime Maschine hinter Haribos Kult-Lakritzschnecke


29.08.2026 – 08:10 UhrLesedauer: 3 Min.

Lakritzschnecken: Sie sind leicht zu essen. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/JIRI HERA/imago)

Die Lakritzschnecke ist untrennbar mit Haribo verbunden. Der Grund dafür liegt in einer Entscheidung, die der Konzern vor Jahrzehnten traf.

Wer „Lakritzschnecke“ hört, denkt unweigerlich an Haribo. Und das aus gutem Grund: Ein vergleichbares Produkt anderer Hersteller ist im normalen Supermarkt, beim Discounter oder am Kiosk kaum zu finden. Und das, obwohl weder die Schneckenform noch die Wickelmaschine, die Haribo einst erfand, patentiert sind. Warum hat Haribo eine seiner größten Erfindungen nicht geschützt?

Patent alleine schützt nicht

Eine Schneckenform an sich kann nicht patentiert werden. Deshalb auch nicht für Zimt- oder Hefeteigschnecken.

Zwar könnte Haribo die Wickelmaschine und die Wickeltechnik patentieren lassen. Doch ein Patent schützt eine technische Erfindung in Deutschland nur für maximal 20 Jahre. Dafür müssen alle Details einer Innovation beim Patentamt eingereicht werden. Sobald das Patent angemeldet ist, sind die Details zu der Erfindung einsehbar. Das heißt, dass die Konkurrenz das Produkt nachbauen könnte. Haribo hat daher entschieden, die genaue Funktionsweise der Lakritzschnecken-Wickelmaschine geheim zu halten.

Die Entscheidung hat eine lange Geschichte.

Von der Schnur zur Kultschnecke

Am Anfang verkaufte der Süßwarenhersteller Haribo hauptsächlich sogenannte Tanzbären – heute bekannt als Goldbären. Ein paar Jahre später kamen auch Lakritzstangen, Lakritzschnüre und Lakritzschnecken hinzu. Letztere wurden anfangs noch von Hand aufgewickelt. Um jedoch mehr Lakritzschnecken produzieren zu können, erfand Paul Riegel, einer der beiden Söhne des Gründers Hans Riegel, die vollautomatische Wickelmaschine. Mit ihr konnten die Schnüre effizienter zu Schnecken aufgerollt werden. Durch diese spezielle Form konnten die Lakritzschnüre nicht nur besser gehandhabt werden. Sie waren auch ein Alleinstellungsmerkmal des Herstellers und wurden zu einem Kultobjekt. Denn neben der Praktikabilität kam auch der Spieleffekt hinzu: Die Schnecken konnten entweder am Stück oder abgerollt gegessen werden.

Wickelmaschine: Das ist die erste Wickelmaschine von Haribo. (Quelle: Haribo)

Die Strategie der Geheimhaltung ist mehr oder weniger erfolgreich. Denn auch andere Hersteller wickeln dünne Lakritzschnüre zu einer Schneckenform auf. Darunter Gummi Bären Land, TerraSana oder Ökovital. Dennoch erreichen sie nicht annähernd die Präsenz des bekannten Haribo-Originals.

Die Unternehmenssprecherin von Haribo bestätigte zudem auf Nachfrage von t-online: „Haribo produziert ausschließlich die Produkte seiner eigenen Marken und stellt daher keine Lakritzschnecken als Eigenmarkenprodukte für andere Unternehmen her.“ Wer also zu Lakritzschnecken anderer Marken greift, kauft keine günstigere Markenvariante, wie es bei einigen anderen Eigenmarken von Discountern und Supermärkten der Fall ist.

Wie viele Lakritzschnecken der Süßwarenkonzern aus Bonn durch seine Strategie verkauft, hält er geheim. Bekannt ist nur, dass Haribo 2025 dreimal stärker wuchs als der weltweite Süßwarenmarkt. Grund hierfür sind unter anderem die hohen Schokoladenpreise, durch die viele Verbraucher eher zu Gummibärchen, Lakritz und Co. statt zu Schokotafeln und Pralinen griffen.

Marktführer, aber umstritten

Haribo ist zwar in vielen Bereichen marktdominierend, doch der Konzern muss auch viel Kritik einstecken.

Im Jahr 2022 deckte die Verbraucherzentrale Hamburg auf, dass sich die Füllmenge unter anderem der Goldbären von 200 Gramm auf 175 Gramm verringert hat. Der Preis blieb jedoch gleich: 0,99 Euro. Das Produkt wurde mit auf die Kandidatenliste für die „Mogelpackung des Jahres 2023“ aufgenommen.

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