Warum er in manchen Kulturen als notwendiger Übergang gilt

Kultur und Gesellschaft

Warum Schmerz in manchen Kulturen als notwendiger Übergang gilt


11.01.2026 – 06:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Feuerring: Der Feuerlauf zählt zu den bekanntesten Schmerz-Ritualen in Asien. (Quelle: IMAGO/Saurabh Sirohiya/imago)

Schmerz gilt meist als Warnsignal. In einigen Kulturen ist er jedoch Teil wichtiger Rituale. Warum Leiden dort als notwendiger Übergang verstanden wird.

Schmerzen möchten Menschen meist vermeiden. In einigen Kulturen hat der Schmerz jedoch eine Bedeutung. Bestimmte Rituale, die körperliche Belastung einschließen, markieren Übergänge im Leben und der Gemeinschaft. Dieser Ratgeber erklärt, warum die Schmerz Initiation kulturell so tief verankert ist.

In traditionellen Gesellschaften wird Schmerz häufig nicht als sinnloses Leiden verstanden, sondern als bewusst eingesetztes Mittel. Ethnologische Studien zeigen, dass körperliche Grenzerfahrungen Übergänge sichtbar machen: vom Kind zum Erwachsenen, vom Einzelnen zum Teil der Gemeinschaft. Schmerz wirkt dabei als klare Zäsur zwischen einem „Davor“ und „Danach“.

Die Schmerz Initiation erfüllt in vielen Kulturen eine soziale Funktion. Wer Schmerz aushält, beweist Disziplin, Mut und Zugehörigkeit. Forschungen zur Kulturgeschichte des Schmerzes zeigen, dass körperliches Leiden als sinnstiftend erlebt wird, wenn es in ein gemeinsames Ritual eingebettet ist. Der Schmerz erhält dadurch Bedeutung und verliert seinen rein negativen Charakter.

Gleichzeitig verändert Schmerz die Wahrnehmung. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass intensive Reize Aufmerksamkeit bündeln und emotionale Zustände vertiefen. Rituale nutzen diesen Effekt gezielt, um Erfahrungen dauerhaft im Gedächtnis zu verankern.

Zu den bekanntesten Ritualen, die noch immer praktiziert werden, zählen:

Schmerz ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten, mit Übergängen und inneren Veränderungen umzugehen.

In anderen Kulturen übernehmen Rituale ohne körperliche Belastung diese Funktion, etwa durch Schweigephasen oder bewusstseinserweiternde Zeremonien mit Pflanzen wie Kakao in Mittel- und Südamerika. Sie zeigen, dass Menschen weltweit nach Wegen suchen, Wandel erlebbar zu machen, manchmal durch Schmerz, aber auch durch Achtsamkeit, Gemeinschaft und symbolische Handlungen.

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