Warum Brandopfer überlebten – Experte erklärt

Experte erklärt

Sie retteten in Crans-Montana Leben

30.01.2026 – 13:40 UhrLesedauer: 2 Min.

Gedenkveranstatlung nach der Feuerkatastrophe (Archivbild): Der Mediziner Frank Siemers lobt die Reaktion der Verantwortlichen. (Quelle: Baz Ratner/AP/dpa/dpa-bilder)

Auch einen Monat nach der Feuerkatastrophe im Schweizer Nobelort Crans-Montana ist die Zahl der Todesopfer nicht weiter angestiegen. Ein Mediziner erklärt, wieso.

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana ist fast einen Monat her – trotzdem ist die Zahl der Todesopfer nicht weiter gestiegen. Frank Siemers, der bisherige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, zeigt sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) positiv überrascht. Seiner Meinung nach war die unmittelbare Reaktion der Rettungskräfte entscheidend.

Eigentlich hatten Mediziner den rund 80 teils schwer verbrannten Opfern zunächst keine guten Überlebenschancen eingeräumt. Siemers erklärt: „Es ist davon auszugehen, dass viele großflächig verletzt wurden, 60 oder 70 Prozent. Dazu kam der Rauch, womöglich toxische Substanzen – das bedeutet ein hohes Risiko, dass sie das nicht überleben.“

Wie er erklärt, sei die Versorgung der Brandopfer in den ersten Stunden vorbildlich gewesen: Die Verunglückten hätten sofort lebenswichtige Infusionen bekommen – so hätten Herz- und Kreislaufversagen verhindert werden können.

Zudem hätten die Schweizer Verantwortlichen schnell Nachbarländer um Unterstützung gebeten. Alle Opfer der Katastrophe hätten so in Spezialkliniken behandelt werden können.

Ein weiterer Faktor ist laut Siemers das meist junge Alter der Brandopfer. Ihre Immunsysteme seien deswegen noch intakt. Allerdings würde die Behandlung noch lange andauern. So müsse bei Opfern mit starken Verbrennungen etwa operativ die zerstörte Haut entfernt werden. Die große freie Wundfläche müsse dann so verschlossen werden, dass keine Keime eintreten.

Siemers erklärt: „Viele haben die erste kritische Phase überstanden und sind erst einmal über den Berg, aber es gibt in diesen Wochen immer noch kritische Phasen.“ Laut seiner Prognose dürften einige der Brandopfer sogar noch monatelang im Krankenhaus bleiben müssen.

Die meisten der Krankenhäuser machen zum Schutz der Brandopfer keine Angaben über Fortschritte ihrer Patienten. Nur das Universitäts-Kinderspital Zürich erklärte gegenüber der dpa, dass sich noch fünf seiner neun Patienten aus Crans-Montana auf der Intensivstation befänden.

Welche Lebensqualität die Patientinnen und Patienten später erwartet, sei sehr unterschiedlich, sagt Siemers. Manche dürften monatelang in Kliniken sein. Einige brauchen noch über Jahre weitere Operationen, etwa wegen Narbenbildung. „Es hängt viel davon ab, welche Körperteile betroffen sind, ob es etwa funktionelle Einbußen gibt wie an den Händen. Und es hängt davon ab, wie sie die Situation psychisch verarbeiten.“

Bei der Feuerkatastrophe in dem Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. Nach jetzigem Ermittlungsstand wurde das Feuer durch funkensprühende Partyfontänen ausgelöst. Gegen das Betreiber-Ehepaar der Unglücksbar wird ermittelt.

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