Warum bin ich so fröhlich?

Die Welt ist im Umbruch, es wird ungemütlich: Darauf stellt Friedrich Merz die Deutschen seit Tagen ein. Diesmal betont der Kanzler im Bundestag etwas anderes: die Chancen.

Friedrich Merz hat auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam mit Alfred Jodocus Kwak. Der eine ist Bundeskanzler, der andere eine Zeichentrick-Ente aus den Neunzigerjahren. Und doch könnte das inoffizielle Motto der Regierungserklärung, die Friedrich Merz an diesem Donnerstag im Bundestag hält, so lauten wie der Titelsong der Fernsehserie: „Warum bin ich so fröhlich?“

Friedrich Merz musste in den vergangenen Wochen endgültig feststellen, dass er sich auf die USA unter Präsident Donald Trump nicht mehr verlassen kann. Und das in einer Welt, in der Russland Krieg gegen Europa führt.

Wie schon vergangene Woche in Davos beschreibt Merz die Lage an diesem Donnerstag im Bundestag zwar ausgesprochen düster: „Wir sehen seit einigen Wochen immer deutlicher, dass sich eine Welt der Großmächte herauszubilden beginnt“, sagt er gleich zu Beginn. „In dieser Welt weht ein rauer Wind, und den werden wir auf absehbare Zeit zu spüren bekommen.“

Doch die meiste Zeit seiner Rede verwendet der Bundeskanzler lieber darauf, die Frage von Alfred Jodocus Kwak zu beantworten. Und auf einmal ist da Licht im Dunkeln. In den vergangenen Wochen und Monaten, sagt Merz, habe Europa „vielleicht zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen können, dass wir eine Macht sein können, gerade auch auf der Grundlage der Werte, die wir nicht aufgeben wollen“.

Man habe „etwas spüren können vom Glück der Selbstachtung“, sagt Merz und appelliert an die „lieben Freunde“: „Machen wir etwas aus diesem sich neu regenden Selbstbewusstsein der Europäer.“ Wie genau? Auch da hat er ein paar Ideen. Einfach, das weiß auch der Kanzler, wird’s trotzdem nicht.

Das „Glück der Selbstachtung“ – das hat Friedrich Merz vor allem in der europäischen Reaktion auf Trumps Zolldrohungen ausgemacht. Man habe gezeigt, dass man „im Zweifel auch sehr schnell handeln“ könne und gesehen, „wie viel wir mit Geschlossenheit bewegen können“. Und mit „Entschlossenheit“.

Es sind Dinge, deren Fehlen Merz in der real existierenden Europäischen Union bislang vor allem lautstark beklagt hatte. Obwohl der Kanzler eigentlich überzeugter Europäer ist. Nun sagt Merz: „Geschlossenheit ist ein Machtfaktor auf der Welt.“

Überhaupt füttert Friedrich Merz das „sich neu regende Selbstbewusstsein“ gleich ein wenig an. Auf dass es nicht sofort wieder verschwindet. Überall auf der Welt gebe es aufstrebende Demokratien mit offenen und wachsenden Märkten, „die ausgerechnet das suchen, was wir ihnen anzubieten haben“, sagt Merz. „Wir sollten nicht unterschätzen, wie attraktiv dieses europäische Modell für neue Partner und Allianzen sein kann.“

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