„Unrealistisch“
Wacker Chemie streicht Dividende und gibt Milliardenziel auf
11.03.2026 – 15:59 UhrLesedauer: 2 Min.
Wacker Chemie verbucht 2025 einen Verlust von 805 Millionen Euro und streicht erstmals die Dividende. 1.500 Stellen stehen auf dem Spiel – Gewinn 2026 ungewiss.
Der Münchner Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hat auf seiner Bilanzpressekonferenz am Mittwoch einen Verlust von 805 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2025 bekannt gegeben. Der Umsatz schrumpfte um vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro. Das Unternehmen zahlt keine Dividende – zum ersten Mal in seiner Geschichte.
Zum Verlust trugen mehrere Faktoren bei. Die schwache Chemiekonjunktur belastete das Ergebnis ebenso wie die Kosten des Sparprogramms „Pace“. Hinzu kamen Abschreibungen von insgesamt fast 600 Millionen Euro, davon 308 Millionen Euro auf die Beteiligung am Chip-Zulieferer Siltronic, dessen Aktie sich nicht erholt hat.
Das Sparprogramm „Pace“ sieht den Abbau von 1.500 Stellen vor – überwiegend in Deutschland. Gleichzeitig sollen die Kosten um 300 Millionen Euro gesenkt werden. Vorstandschef Christian Hartel drängte auf eine schnelle Einigung mit den Gewerkschaften: „Je länger wir warten, desto umfangreicher müssen die Einschnitte sein.“
Die Branchenkrise sei keine vorübergehende Delle, betonte Hartel. Die Spielregeln hätten sich grundlegend geändert. Neue Wettbewerber – vor allem aus Asien – drängten in die Märkte für Solarsilizium und Siloxan, einen Grundstoff für Silikone, und verursachten Überkapazitäten sowie Preisverfall. Das Deutschlandgeschäft stecke – auch wegen hoher Energiepreise – bereits in den roten Zahlen.
Wacker will sich schrittweise aus diesen Commodity-Geschäften zurückziehen. Künftig solle der Fokus auf Spezialchemie, Halbleiter-Silizium und Biotech-Anwendungen der Sparte Biosolutions liegen, sagte Hartel. Das für 2030 anvisierte Umsatzziel von zehn Milliarden Euro sei „aus heutiger Sicht unrealistisch“.
Für 2026 erwartet Wacker Umsätze 550 bis 700 Millionen Euro (ohne Steuerabzüge), nach 427 Millionen Euro im Vorjahr. Beim Umsatz rechnet Hartel nur mit einem niedrigen einstelligen Wachstum; Zuwächse seien lediglich bei Halbleiter-Silizium und im Biotech-Geschäft zu erwarten. Finanzvorstand Tobias Ohler wies darauf hin, dass Mengenzuwächse von Währungseffekten teilweise aufgezehrt würden. Auch ein länger andauernder Iran-Krieg könnte dies belasten.
Die Aktie von Wacker hingegen stieg nach Bekanntgabe der neuen Zahlen um zehn Prozent auf 75,65 Euro.
