Verdiente er an Staatsaufträgen?

Vorwürfe gegen Klingbeil-Berater

Aktualisiert am 08.10.2026 – 18:04 UhrLesedauer: 2 Min.

Lars Klingbeil (l.) und Harald Christ: Es gibt Vorwürfe gegen den Berater. (Quelle: IMAGO/M. Popow/imago)

Harald Christ berät Finanzminister Klingbeil in Investitionsfragen – doch seine Holding unterhält drei Lobbyagenturen. Seit seiner Berufung in den Beirat hat Christ Capital mindestens 15 neue Kunden gewonnen.

Harald Christ, Investitionsberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), steht wegen möglicher Interessenkonflikte in der Kritik. Zu seiner Holding Christ Capital gehören drei Lobbyagenturen, die laut Lobbyregister des Deutschen Bundestags zuletzt über 40 Aufträge betreuten. Wie der „Spiegel“ berichtet, hat Christs Unternehmensgruppe seit seiner Berufung in den Investitions- und Innovationsbeirat des Bundesfinanzministeriums im September 2025 mindestens 15 neue Aufträge erhalten. Darunter sind mehrere Kunden aus der Digital- und Rüstungsindustrie, die auch öffentliche Aufträge annehmen.

Besonders brisant ist Christs Verbindung zum KI-Unternehmen Aleph Alpha. Laut Handelsregister hielt er bis vor kurzem rund zwei Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Gleichzeitig ist eine seiner Lobbyagenturen für Aleph Alpha tätig. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit den KI-Rechercheassistenten „Bakira“ entwickelt und ist an dessen Einführung in Jobcentern beteiligt.

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Die Bundesregierung hat dafür 2,15 Millionen Euro aus dem Sondervermögen bewilligt. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit bestätigte dem „Spiegel“, dass das Geld nicht direkt an Aleph Alpha fließe, sondern für externe Unterstützer vorgesehen sei. Allerdings könnten künftig „alle Beschäftigten“ in gemeinsamen Einrichtungen „Bakira“ nutzen – mutmaßlich Zehntausende Mitarbeiter.

Interessenkonflikte wurden untersucht

Das Bundesfinanzministerium hatte vor Christs Berufung intern auf mögliche Interessenkonflikte hingewiesen. Unterlagen, die der „Spiegel“ nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhielt, zeigen, dass Beamte in einer Leitungsvorlage festhielten, Beiratsmitglieder sollten „möglichst keine Eigeninteressen verfolgen“.

Auf Anfrage erklärte das Ministerium, die Mitglieder seien „nicht in Entscheidungen zu Gesetzes- und Verordnungsentwürfen oder Förderprozessen involviert“. Alle Beiratsmitglieder hätten versichert, dass „keine Interessenkonflikte bestehen“. Dem Ministerium lägen jedoch „keine Informationen zu den geschäftlichen Tätigkeiten von Herrn Christ“ vor.

Die Organisation LobbyControl kritisiert die Berufung Christs scharf. „Dass Harald Christ von Lars Klingbeil in diese Position berufen wurde, ist völlig inakzeptabel“, sagte Aurel Eschmann dem „Spiegel“. Ein Anwalt Christs wies die Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurück. Aleph Alpha erklärte zudem, es habe keine Gespräche mit Christ über „Bakira“ gegeben. Christ selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

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