Uralte Beziehung

Hunde und Menschen leben länger zusammen als angenommen

Aktualisiert am 26.03.2026 – 11:27 UhrLesedauer: 3 Min.

In zwei Studien belegen Forscher die weite Verbreitung der Hunde bereits vor Einführung der Landwirtschaft. (Quelle: –/Kathryn Killackey/Springernature/dpa/dpa-bilder)

Schon vor 15.800 Jahren lebten Hunde mit Jägern und Sammlern zusammen, wie DNA-Analysen zeigen. Menschen tauschten sie wahrscheinlich sogar untereinander aus.

Hunde waren einer Studie zufolge schon verbreitete Begleiter der Jäger- und Sammler-Gemeinschaften Europas. Der älteste genetische Nachweis stammt demnach von einem Hund, der vor 15.800 Jahren lebte. Der zuvor älteste genetische Nachweis war rund 5.000 Jahre jünger. In zwei Studien im Fachjournal „Nature“ belegen Forscher die weite Verbreitung der Hunde bereits vor Einführung der Landwirtschaft.

Archäologische Belege deuteten bereits darauf hin, dass sich Hunde vor mehr als 15.000 Jahren von Wölfen abspalteten und in ganz Europa und der Türkei vorkamen, schreiben Co-Studienleiter Laurent Frantz von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Kollegen. So weise etwa ein rund 14.300 Jahre alter Unterkiefer eines Tieres aus der Fundstelle Bonn-Oberkassel hundeähnliche Merkmale auf. Es sei zusammen mit zwei Menschen bestattet worden und habe Krankheitsmerkmale, die ohne längere menschliche Pflege tödlich gewesen wären.

Ohne bestätigende genetische Daten sei es jedoch schwierig gewesen, die Überreste vieler Tiere eindeutig als Hunde zu identifizieren. Die frühesten auf DNA-Basis eindeutig nachgewiesenen Hunde stammten laut Studie bislang aus dem Nordwesten Russlands und sind etwa 10.900 Jahre alt.

In der neuen Studie analysierte das Team aus 17 Forschungsinstituten unter anderem DNA aus Proben der britischen Fundstätte Gough“s Cave (etwa 14.300 Jahre alt) und aus der Fundstätte Pınarbaşı in der Türkei (etwa 15.800 Jahre alt). Die Forscher verglichen die Daten dieser Funde aus der Altsteinzeit (Paläolithikum) mit den Genomen von mehreren Hundert modernen und früheren Hunden und Wölfen. Ergebnis: Bei den Tieren der beiden Fundstätten handelte es sich tatsächlich um Hunde.

Die genetische Identifizierung der Hunde aus der Altsteinzeit habe einen Wendepunkt im Verständnis der frühesten Hunde dargestellt, sagte Co-Erstautor William Marsh vom Natural History Museum in London. „Diese Exemplare ermöglichten es uns, weitere früher lebende Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz zu identifizieren, was deutlich zeigt, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren.“

Trotz des Grabfunds in Bonn-Oberkassel und Anzeichen, dass Hunde in Pınarbaşı Fisch vom Menschen erhielten, ist die damalige Rolle der Hunde unklar. Das Forschungsteam fand jedoch Hinweise darauf, dass genetisch und kulturell unterschiedliche Jäger- und Sammler-Gruppen Hunde aktiv ausgetauscht haben. „Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen. Angesichts begrenzter Ressourcen impliziert ihre Haltung, dass sie einen Zweck erfüllten“, sagte der LMU-Paläogenetiker Frantz. „Eine Möglichkeit ist, dass sie als hocheffizientes Alarmsystem dienten.“

Eine weitere Studie befasst sich mit der genetischen Herkunft der Hunde in Europa. Hunde (Canis lupus familiaris) stammen demnach von Grauwölfen (Canis lupus) ab und gingen als erste Tiere überhaupt eine Beziehung zu Menschen ein. Der genaue Ort der Domestikation und die beteiligten menschlichen Gruppen sind bislang unbekannt, wie ein großes Team um den Erstautor Anders Bergström vom Francis-Crick-Institut in London und der University of East Anglia in Norwich schreibt. Es hatte Überreste von 200 Hundeartigen aus Europa bis hin nach Armenien untersucht.

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