„Erschütternd“

Viele Rettungsdienstler sehen keine Zukunft bis zur Rente


20.03.2026 – 15:27 UhrLesedauer: 3 Min.

Notfallsanitäter im Einsatz mit Polizeischutz: Viele Mitarbeiter im Rettungsdienst berichten von Gewalt und Arbeitsbelastung. (Quelle: Luca Field/imago-images-bilder)

Immer mehr Beschäftigte im Rettungsdienst fühlen sich überfordert und unsicher. Eine Befragung zeigt massive Probleme bei Arbeitsbelastung und Gewalt.

Die Arbeitsbedingungen im deutschen Rettungsdienst sind aus Sicht vieler Beschäftigter kritisch. Das geht aus der Befragung „Status Rettungsdienst“ hervor, die die Linksfraktion im Bundestag in Auftrag gegeben hat. Für die Befragung füllten rund 7.900 Beschäftigte aus dem Rettungsdienst online einen Fragebogen aus.

Ein zentrales Ergebnis: Eine große Mehrheit der Befragten (91,6 Prozent) berichtet, im vergangenen Jahr mindestens einmal körperliche oder verbale Gewalt im Arbeitsumfeld erlebt zu haben – gegen sich selbst, Kolleginnen und Kollegen oder Patientinnen und Patienten. Rund drei Viertel gaben an, 2025 selbst Opfer von psychischer oder physischer Gewalt geworden zu sein, weibliche und diverse Mitarbeitende sowie Beschäftigte in Städten sind häufiger betroffen. Gefragt worden ist: „Wie häufig warst du im Jahr 2025 selbst Opfer von Gewalt (physisch/psychisch) oder Übergriffen auf der Arbeit?“

Diesen hohen Anteil an Gewalterfahrung zeigen auch andere Studien, wie die des Deutschen Roten Kreuzes von 2021 mit 425 Rettungskräften. Fast alle von ihnen berichteten von mindestens einem Gewaltvorfall. Dabei dominierte verbale Gewalt, fast die Hälfte erlebte auch körperliche Gewalt.

Auch hohe Arbeitsbelastung gehört für viele zum Alltag. Ein Drittel der Teilnehmer der Befragung „Status Rettungsdienst“ macht monatlich mehr als zehn Überstunden, weitere 31 Prozent mehr als fünf. Gleichzeitig dominieren lange Schichten – mehr als die Hälfte arbeitet im 12-Stunden-Modell, ein Viertel sogar 24 Stunden am Stück.

Diese Belastung wirkt sich direkt auf die Arbeit aus. Fast 20 Prozent geben an, häufig Abstriche bei der Qualität machen zu müssen, um das Arbeitspensum zu bewältigen. Mehr als ein Drittel zweifelt daran, dass unter den aktuellen Bedingungen die Sicherheit der Patientinnen und Patienten gewährleistet ist.

Viele sehen ihre berufliche Zukunft kritisch: Rund zwei Drittel können sich nicht vorstellen, ihren Job bis zur Rente auszuüben. Gründe sind neben der Arbeitslast auch fehlende Perspektiven, unzureichende rechtliche Absicherung und häufige sogenannte Fehleinsätze, die zusätzliche Ressourcen binden.

Gewalt und Arbeitsdruck verstärken sich dabei gegenseitig. Wer häufiger Übergriffe erlebt, empfindet den Arbeitsalltag deutlich öfter als belastend. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Arbeitsbelastung auch die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte die Patientensicherheit als gefährdet einschätzen.

Stella Merendino, Sprecherin für Krankenhaus- und Notfallversorgung der Linksfraktion, nennt das Ergebnis „erschütternd“. „Das (…) geht uns daher alle etwas an“, sagt Merendino, die selbst als Notfallkrankenpflegerin gearbeitet hat, t-online. Jeder sei immer nur einen Augenblick davon entfernt, selbst auf den Rettungsdienst angewiesen zu sein. Ihre Fraktion fordert deswegen unter anderem ein Nachbessern der Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, besonders zu Arbeitszeiten, Pausen, Schutz vor Gewalt und psychischer Nachsorge.

Share.
Die mobile Version verlassen