Schwere Anschuldigungen und Suizid
Klinik nach Skandalen insolvent: Patienten blieben fern
Aktualisiert am 15.04.2026 – 11:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Schwere Anschuldigungen gegen einen Chefarzt erschütterten den Medizin Campus Bodensee, das Vertrauen der Patienten kippte. Nun endet der Klinikbetrieb in Tettnang.
Zum Ende des kommenden Monats muss der Medizin Campus Bodensee (MCB) endgültig seine Türen schließen. Zurück bleiben schwere Anschuldigungen, ein gefeuerter Chefarzt, eine tote Oberärztin und ein massiver Vertrauensverlust bei den Patienten, der nicht wieder aufgefangen werden konnte. Zuerst berichtete der SWR über die anstehende Schließung.
Im Jahr 2023 erhob die mittlerweile verstorbene Ärztin Elke K. öffentlich Vorwürfe gegen den damaligen Chefarzt der Klinik. Sie erklärte, dass dieser entgegen den Bedürfnissen der Patienten Operationen durchführe, um daraus Profit zu generieren. Einige der Patienten, so behauptete sie, hätten die Eingriffe nicht überlebt.
Der Chefarzt bestritt die Vorwürfe stets. Zunächst hielt die Klinik an dem Arzt fest. Der Imageschaden war jedoch offenbar so groß, dass der Mediziner rund ein halbes Jahr später schließlich entlassen wurde. Das Vertrauen der Patienten schien jedoch bereits nachhaltig geschädigt zu sein. Die Stadt Friedrichshafen räumte im Zuge einer Ratssitzung ein, dass die Patientenzahlen nach den Schlagzeilen in den Medien abrupt eingebrochen waren.
Oberärztin Elke K. nahm sich im Dezember 2023 das Leben. Nach ihren Vorwürfen soll sie von anderen Ärzten am Klinikum unter Druck gesetzt worden sein. Ihr Anwalt sprach von massivem Mobbing.
Die nun angekündigte Schließung des Standorts bedarf für den Anwalt wenig Erklärung. Der „Bild“ sagte er im Gespräch: „Wenn die Menschen in der Region das Vertrauen verlieren, dann ist das logische Ergebnis: Patienten bleiben weg, Zahlen gehen runter, das Geld fehlt – Insolvenz.“ In der Folge gerieten mehrere Einrichtungen des MCB in Schwierigkeiten und meldeten Insolvenz an, darunter die medizinischen Versorgungszentren in Friedrichshafen, Tettnang und Kressbronn.
Der Klinikstandort Tettnang wird nun endgültig zum 31. Mai 2026 geschlossen, möglicherweise auch früher wegen Personalmangels. Rund 325 Beschäftigte sind betroffen. Investoren sehen keine Zukunft für den Standort als Krankenhaus, allenfalls für eine ambulante Nutzung. Die Zukunft des verbleibenden Standorts Friedrichshafen sowie des gesamten Klinikverbunds ist weiterhin unklar.
