Aber braucht es wirklich 93 verschiedene Krankenkassen?
Die Frage nach der Anzahl der Kassen ist komplex. Eine bloße Reduzierung würde die Verwaltungskosten nicht spürbar senken, das hat die Finanzkommission Gesundheit bestätigt. Wichtiger ist die Frage, ob alle Kassen auch die steigenden Anforderungen bei der Digitalisierung oder Cybersicherheit erfüllen können. Das sollte aber differenziert von der Finanzkommission geprüft werden. Pauschale Forderungen nach einer konkreten Zahl greifen indes zu kurz.
Vonseiten der Ärzte ist zu hören, dass das Gesetz die Versorgung verschlechtern werde. Müssen Versicherte jetzt noch länger auf einen Arzttermin warten?
Das hängt stark von der konkreten Umsetzung ab. Wenn Einsparungen einseitig erfolgen und nicht gleichmäßig verteilt werden, besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Versorgung leidet. Genau deshalb ist es wichtig, die Lasten ausgewogen zu verteilen und an einzelnen Punkten nachzuschärfen.
Neben der Finanzierung geht es auch um konkrete Leistungsänderungen. Der Gesetzesentwurf sieht die Einführung einer Teilkrankschreibung und damit verbunden eines Teilkrankengelds vor. Wie sinnvoll ist das?
Ich halte die Teilkrankschreibung für einen sehr guten Ansatz. Sie ermöglicht es, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit – dort, wo möglich – zu vermeiden oder auch schrittweise in den Beruf zurückzukehren. Wer beispielsweise nicht acht Stunden arbeiten kann, könnte zunächst vier Stunden einsteigen. Das hilft, im Arbeitsprozess zu bleiben. Details für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und des damit folgenden Teilkrankengelds gilt es nun auszuarbeiten.
Gewerkschaften warnen davor, dass Arbeitgeber Druck ausüben könnten, damit Beschäftigte möglichst früh zurückkehren.
Diese Gefahr sehe ich nicht. Die Entscheidung muss bei den behandelnden Ärzten liegen. Sie beurteilen die Belastbarkeit. Insofern gibt es einen klaren Schutzmechanismus.
Reichen die nun angestrebten Maßnahmen aus, um die Beiträge für die Versicherten wieder zu senken?
Kurzfristig geht es vor allem darum, das aktuelle Niveau zu stabilisieren. Dass die Beiträge sinken werden, glaube ich nicht. Das hängt eher von langfristigen Maßnahmen ab. Strukturelle Veränderungen brauchen Zeit, etwa ein Primärversorgungssystem, bei dem Patienten in der Regel zunächst von ihrem Hausarzt untersucht werden. Die Reform muss jetzt angegangen werden und sie hat großes Potenzial. Aber sie wird erst in einigen Jahren greifen und bis dahin gilt es, die Menschen und alle Akteure im Gesundheitswesen mit auf den Weg zu nehmen. Das geht nicht von heute auf morgen.
