219.000 Verträge

Versicherer bläst geplanten Verkauf ab


03.08.2026 – 07:19 UhrLesedauer: 2 Min.

Logo der R+V Versicherung: Der Verkauf der Condor Leben ist nicht mehr geplant. (Quelle: IMAGO/Schoening/imago)

Der Verkauf von Verträgen von einem Versicherer an einen Finanzinvestor ist nichts Ungewöhnliches. Ein großes Geschäft der R+V Versicherung scheitert nun aber.

Die R+V Versicherung hat den geplanten Verkauf ihrer Tochter Condor Leben wieder abgesagt. Ursprünglich hatte die R+V den Lebensversicherer an die Frankfurter Investmentgesellschaft Acathia Capital verkaufen wollen. Dieser Verkauf komme nun nicht mehr zustande, teilte die R+V dem Branchenportal „Fonds professionell“ mit. Über die Gründe machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben.

Mit einem Kauf der Condor Leben hätte Acathia Capital rund 219.000 Verträge übernommen. Darunter befinden sich klassische Lebensversicherungen, fondsgebundene Rentenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Verträge der betrieblichen Altersvorsorge.

Run-off weit verbreitet

Für Kunden, die einen Lebensversicherungsvertrag bei der Condor Leben abgeschlossen haben, mag es merkwürdig erscheinen, dass ihr Vertragspartner wechseln kann und ein anderer Versicherer bestehende Verträge übernimmt. In der Branche sind der sogenannte Run-off – die Stilllegung eines Versicherungsportfolios – und der anschließende Verkauf der Verträge jedoch üblich.

In der Vergangenheit hatten sich bereits Versicherer wie die Basler, Arag oder die Generali von Millionen Versicherungsverträgen getrennt und diese an spezielle Abwicklungsgesellschaften verkauft. Diese können die Verträge aufgrund moderner IT-Systeme meist effizienter und damit kostengünstiger verwalten.

Bei einem Run-off bleiben die Rechte der Versicherungsnehmer gewahrt – dies muss die deutsche Finanzaufsicht Bafin sicherstellen, die einem Verkauf ausdrücklich zustimmen muss. Dabei muss die Bafin laut Versicherungsaufsichtsgesetz prüfen, dass es zu keiner Schlechterstellung der Versicherten kommt. Zudem muss sichergestellt sein, dass der Käufer der Verträge seine Verpflichtungen langfristig erfüllen kann.

Bafin verhindert Verkauf

Im Januar 2024 hatte die Bafin etwa einen Verkauf von 700.000 Lebensversicherungsverträgen der Zurich Deutschland an den Abwickler Viridium gestoppt. Die Finanzaufsicht hatte dabei schwere Bedenken gegenüber dem Mehrheitseigner von Viridium geäußert, dem Finanzinvestor Cinven. Mittlerweile hat dieser seine Anteile an ein Konsortium, an dem unter anderem der Versicherer Allianz und der Vermögensverwalter Blackrock beteiligt sind, verkauft.

Den Versicherer Condor Leben hatte die R+V Versicherung 2008 von der Oetker-Gruppe übernommen. Nach dem geplatzten Deal mit Acathia Capital gibt die R+V Versicherung ihre Verkaufspläne auf. „Wir werden die Condor-Verträge intern weiterführen“, so der Versicherer.

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