VDA warnt vor Jobverlusten durch Abwanderung

Müller machte für die Entwicklung vor allem Kosten und Bürokratie verantwortlich. Sie verwies auf deutlich höhere Energiepreise: Gas sei in Deutschland viel teurer als in China und den USA; auch der Strompreis liege teils bis zu dreimal so hoch. Hinzu kämen hohe Steuer- und Arbeitskosten sowie langsame Verfahren.

Der VDA fordert die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für Entlastungen einzusetzen – vor allem bei den Klimavorgaben. Müller sagte, die angekündigte technologische Öffnung dürfe von der EU nicht nur versprochen, sondern müsse „auch praktisch ermöglicht werden“. Mit den aktuellen Vorschlägen könne Deutschland als Automobilnation nicht zufrieden sein: „Eine Anpassung der CO₂-Minderungsziele, die gleichzeitig an Bedingungen und neue Auflagen gekoppelt wird, ist keine Entlastung und gibt auch keinerlei Planungssicherheit.“

Hintergrund ist ein Kommissionsvorschlag, das für 2035 geplante faktische Ende neuer Verbrenner zu lockern: Die CO₂-Flottenemissionen sollen bis 2035 um 90 Prozent sinken. Emissionen müssten aber über zusätzliche Vorgaben ausgeglichen werden, etwa durch grünen Stahl oder klimaneutrale Kraftstoffe; zudem sollen Flottenbetreiber strengere Regeln erfüllen.

Müller warb für „echte Technologieoffenheit“ und nannte neben Elektroautos auch Plug-in-Hybride, Range-Extender und „moderne Kraftstoffe, CO2-neutral“. Die Industrie investiere weiter, sagte sie – offen sei aber, ob diese Wertschöpfung in Deutschland bleibe: „Die deutsche Autoindustrie wird weiter Autos bauen – aber ob sie sie in Deutschland oder in Europa bauen kann, das ist die Frage.“

Zugleich wandte sich Müller gegen in Brüssel diskutierte Abschottungspläne der EU. Für eine exportstarke Branche seien offene Märkte zentral; der VDA verweist darauf, dass rund 70 Prozent der Arbeitsplätze der deutschen Automobilindustrie am Export hängen. In Brüssel fehle es häufig an Problemlösungen, dort begegne der Wirtschaft „noch zu oft“ ein Mix aus „Realitätsverweigerung und Relevanzillusion“.

Müller wurde in der Pressekonferenz auch sehr grundsätzlich und kritisierte die Debattenkultur in Deutschland. „Oft erlebt man ein ganz bewusstes Missverstehen von Vorschlägen“, sagte sie. Reformen ließen sich nur durchsetzen, wenn politische Vorschläge nicht reflexhaft moralisch aufgeladen würden.

Als Beispiel nannte Müller die Teilzeit-Debatte. „Fast 30 Prozent der Arbeitnehmer, die sich für Teilzeit entscheiden, machen dies ohne Begründung“, sagte sie. Das sei eine private Entscheidung – sie werde aber teils über staatliche Leistungen mitgetragen, wenn Einkommen sinke. Darüber müsse man sachlich sprechen dürfen, betonte Müller, ohne es automatisch als Angriff auf den Sozialstaat zu deuten.

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