Die Blockade der Meerenge würde den USA Zeit verschaffen, Minen dort zu räumen und eine geschützte Passage für die Handelsschifffahrt einzurichten, zitiert das „Wall Street Journal“ amtierende und ehemalige US-Verteidigungsbeamte. Erneute iranische Angriffe würden diese Mission jedoch schnell erschweren, hieß es. Irans Revolutionsgarden verfügten weiterhin über einen Großteil ihrer umfangreichen Flotte wendiger Schnellboote, mit denen sie die Straße von Hormus kontrollierten. Mehr als 60 Prozent dieser schnellen Angriffsboote seien intakt und stellten weiterhin eine Bedrohung dar, wurde Farzin Nadimi von der Denkfabrik Washington Institute zitiert.

Der Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X: „Der Iran wird wahrscheinlich nicht nachgeben.“ Er könnte Teile der US-Marine ins Visier nehmen, um die Entschlossenheit der Amerikaner zu testen. Auch der Iran-Forscher Hamidreza Azizi befürchtet, dass der Iran die mit ihm verbündete Huthi-Miliz im Jemen ermutigen wird, die Meerenge Bab al-Mandab und damit die Einfahrt zum Roten Meer und zum weiter nördlich gelegenen Suezkanal unter Beschuss zu nehmen.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim schrieb auf X: „Wenn Trump gegen die Straße von Hormus vorgeht, wird er auch die Meerenge von Bab al-Mandab verlieren“. Israelische Medien berichteten derweil, dass sich die israelischen Streitkräfte auf einen erneuten Konflikt mit dem Iran bereits vorbereiteten.

Der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt hält die Ankündigung einer Seeblockade in der Straße von Hormus durch Trump jedoch in erster Linie für ein taktisches Vorgehen. „Präsident Trump kann keine blockierten Handelswege gebrauchen“, sagte Hardt der „Rheinischen Post“. „Das führt auch in den USA zu steigenden Preisen und schwächt ihn innenpolitisch“, sagte er. „Beide Seiten versuchen, ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Ich sehe Trumps Äußerungen über eine mögliche US-Blockade eher als Verhandlungstaktik.“

Trump sagte derweil zu Reportern, es sei ihm „egal“, ob der Iran an den Verhandlungstisch zurückkehre oder nicht. „Es ist mir egal, ob sie zurückkommen oder nicht. Wenn sie nicht zurückkommen, ist das auch in Ordnung“, erklärte der Republikaner. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) reagierte verhalten auf Trumps Ankündigung einer Seeblockade. „Leider besteht derzeit wenig Anlass zur Annahme, dass sich die Situation kurzfristig entspannt“, sagte ein VDR-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

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