Experten warnen

US-Benzinpreis überspringt wichtige Marke – „enorme psychologische Wirkung“


02.03.2026 – 23:51 UhrLesedauer: 3 Min.

Donald Trump: Für den US-Präsidenten sind die steigenden Benzinpreise in den USA politisch heikel. (Quelle: IMAGO/Will Oliver / Pool via CNP /MediaPunch/imago)

Die Spannungen im Nahen Osten treiben die Energiepreise in die Höhe. In den USA übersprang der Benzinpreis erstmals seit Monaten eine wichtige Schwelle – und Experten rechnen mit weiterem Anstieg.

Der Iran-Krieg macht Sprit und Heizöl teurer. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA ist erstmals seit November wieder über die psychologisch wichtige Marke von drei Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Experten erwarten wegen der Spannungen im Nahen Osten in dieser Woche einen weiteren Anstieg auf bis zu 3,25 Dollar.

Für US-Präsident Donald Trump birgt die Entwicklung politischen Sprengstoff: Steigende Spritpreise drücken in den USA auf die Stimmung und könnten die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November schmälern.

„Benzinpreise haben eine enorme psychologische Wirkung“, sagte Mark Malek, Chefanlagestratege bei Siebert Financial gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist der Preis, an dem die Verbraucher die Inflation jeden Tag ablesen.“ Fast die Hälfte der Befragten einer Reuters-Umfrage gab an, dass sie Trumps Iran-Kampagne weniger unterstützen würden, wenn die Öl- und Benzinpreise in den USA steigen.

Am Montag stiegen die Preise auch an deutschen Tankstellen kräftig, nachdem sie bereits übers Wochenende leicht zugelegt hatten, wie der ADAC mitteilte. Am Nachmittag war Superbenzin der Sorte E10 um 7,3 Cent teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation. Bei Diesel waren es sogar 8,1 Cent.

Schon am Sonntag hatten die Kraftstoffe im bundesweiten Tagesdurchschnitt die höchsten Werte seit dem Frühjahr 2024 erreicht. Übers Wochenende war der Anstieg aber mit 1,6 Cent bei E10 und 1,3 Cent bei Diesel noch zurückhaltend ausgefallen. Am Montag nahm er dann allerdings immer mehr Fahrt auf. Bei Diesel könnte dadurch der höchste Tagesdurchschnittspreis seit 2023 erreicht werden.

Und es könnte noch weiter nach oben gehen: „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten“, sagt ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Mittelfristig gebe es aber – sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte – Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da die Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung ist aber nicht in Sicht: „Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger“, sagt der Experte. Experten sprechen hier auch vom Rakete-und-Feder-Effekt.

Kritik am schnellen Anstieg kam auch aus der SPD: „Was wir an vielen Tanksäulen in unserem Land erleben, ist schlicht und ergreifend Abzocke!“, sagte der Sprecher der realpolitisch orientierten SPD-Seeheimer, Esra Limbacher. Benzin und Diesel, die jetzt verkauft würden, seien überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft worden.“ Es sei „inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt werden.“ Wer steigende Weltmarktpreise sofort weitergebe, müsse das auch mit sinkenden Preisen tun.

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