Schlöndorffs Krimi “Der namenlose Tag” auf 3sat

Köln (dpa) – Polizist Jakob Franck (Thomas Thieme) hat einen unschönen Job. Ist jemand gestorben, schicken seine Kollegen immer den Kriminalhauptkommissar, um die Angehörigen davon zu unterrichten.

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Er sagt dann den Satz: “Ich muss Ihnen eine sehr traurige Nachricht überbringen.” Wenn dann sein Gegenüber vor Trauer und Wut Teller und Vasen in der Wohnung zerstört, bleibt Franck stoisch sitzen.

Es ist ein sehr ungewöhnlicher Kommissar, der am Dienstag um 20.15 Uhr bei 3sat im Film “Der namenlose Tag” (eine Wiederholung von 2018) zu sehen ist. Ein eigenbrötlerischer Todesbote, brummig, einsilbig, niemand, der in Til-Schweiger-Manier mit der Waffe im Anschlag durch eine Haustür springt und “Polizei!” brüllt. Francks Vorgehen wäre es eher, erst zu klingeln.

Volker Schlöndorff als Regisseur am Werk

Noch etwas ungewöhnlicher ist aber der Regisseur, der diesen Jakob Franck zum Leben erweckt hat: Volker Schlöndorff. Der große Literaturverfilmer hat – damals für das ZDF – seinen ersten Primetime-Krimi gedreht. Ein Oscarpreisträger im Brot-und-Butter-Genre des deutschen Fernsehens.

Es ist natürlich kein Krimi von der Stange. Als Vorlage dient – wie könnte es bei Schlöndorff anders sein – ein Roman. Das gleichnamige Buch schrieb Friedrich Ani, 2016 wurde es mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Es ist ein Roman, aus dem wenig Blut trieft und in dem es oft um das Schweigen geht.

Der pensionierte Polizist Franck, der Todesbote, wird darin von einem eigentlich schon abgeschlossenen Fall eingeholt. Der Familienvater Ludwig Winther (Devid Striesow) sucht ihn auf, er glaubt nicht, dass seine Tochter Suizid begangen hat, worauf bislang alles hindeutet. Polizist Franck hatte die Nachricht vom Tod des Mädchens einst Winthers Frau (Ursina Lardi) überbracht und sie über Stunden stumm im Arm gehalten. Nun erfährt er, dass auch sie sich selbst getötet hat. Der Fall lässt ihn nicht mehr los. Er beginnt zu recherchieren.

Krimi als Kammerspiel

Der Oscargewinner (“Die Blechtrommel”, 1980) inszeniert den Krimi als Kammerspiel, er erinnert fast an einen Stummfilm mit vielen Hell-Dunkel-Kontrasten. Viel geredet wird nicht, oft geht jemand von irgendwo nach irgendwo. Alles Schrille geht dem Film vollkommen ab.

Es gibt keinen Schusswechsel, keine Verfolgungsjagd, keine Verhöre. Er sei sich anfangs auch unsicher gewesen, ob genug Spannung aufkommt, sagte Schlöndorff zur Premiere. Er habe ja keine Erfahrung. “Ich habe gedacht: Wir brauchen irgendwo noch eine Leiche.”

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