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Montag, Mai 23, 2022

“Meine Eltern hatten sich etwas anderes für mich vorgestellt”

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Erinnern Sie sich gerne an die Schulzeit zurück? Die “Eingeschlossene Gesellschaft”-Stars Nilam Farooq und Florian David Fitz haben sehr unterschiedliche Ansichten über Abitur, Lehrer und Spickzettel, wie sie t-online verraten.

An die eigene Schulzeit denkt wohl jeder anders. Manche sentimental, war dies doch die oft besungene “time of my life”. Andere sehen es vielleicht nüchtern und wieder andere sind froh, nie wieder einen Fuß in ein Klassenzimmer zu setzen.

Doch in der Kinokomödie “Eingeschlossene Gesellschaft” blickt man hinter die Tür des Lehrerzimmers. Ein Vater nimmt aufgrund des versemmelten Abiturs seines Sohnes das anwesende Kollegiat als Geiseln, damit diese noch einmal über die Benotung des Kindes debattieren. Die Lehrer erfahren bei dieser außerplanmäßigen Zeugniskonferenz jedoch erschütternde Wahrheiten über die so sauber scheinenden Kollegen.

“Eingeschlossene Gesellschaft”: Nilam Farooq und Florian David Fitz fühlen sich an ihre Schulzeit erinnert. (Quelle: IMAGO / Future Image)

In der Komödie von Sönke Wortmann spielt Nilam Farooq die neue Referendarin, die mit modernen Denkansätzen alteingespielte Prozesse entstauben möchte. Florian David Fitz mimt den coolen Sportlehrer mit pikanten Geheimnissen. Mit t-online sprechen die beiden über ihre eigene Schulzeit und zumindest einer von ihnen hat so gar keine guten Erinnerungen an 13 Jahre Schulbank drücken.

t-online: Frau Farooq, was glauben Sie, wie war ihr Schauspielkollege Florian David Fitz in der Schule? Eher Lehrerschreck oder Liebling?

Nilam Farooq: Der hatte den Schalk im Nacken! Er war sicherlich jemand, der gerne Streiche gespielt hat, aber sehr beliebt war. Als Junge dachte man sich damals sicherlich: “So wäre ich auch gerne.”

Und Herr Fitz, wie ist Ihre Einschätzung zur Schulzeit von Frau Farooq?

Florian David Fitz: Ich hätte gedacht, sie ist eine Streberin. Ich habe gehört, dass Nilam mit unheimlich wenig Aufwand ziemlich gute Noten bekommen hat. Und genau das sind die Kinder, die man am meisten gehasst hat (lacht)! 

Trafen die Beschreibungen des anderen zu?

Fitz: So halb. Es gab Phasen, da war man der Coole in der Schule, aber auch welche, wo man es dann wiederum nicht war. Es war ein Auf und Ab bei mir. 

Farooq: Warst du Schulsprecher?

Fitz: Nein, da fehlte mir das Engagement.

Farooq: Aber Klassensprecher sicherlich.

Fitz: In der fünften für ein Jahr. Aber ich habe gemerkt, dass mir das zu viel Arbeit war (lacht).

Hatten Sie eine bilderbuchhafte Schulkarriere oder zittern Sie bei Stichworten wie blaue Briefe, Elternsprechtag und Co. noch heute?

Fitz: Meine Eltern sind da nicht so oft hin.

Farooq: Same, same.

Fitz: Ich hatte auch nie einen blauen Brief.

Nie? Na, alle Achtung.

Fitz: Dafür hatte ich aber einen Verweis! Und warum? Weil ich gequatscht habe. Das war es. Also ein sehr, sehr trauriger Schulverweis.

Wie blicken Sie dann auf Ihre Schulzeit zurück?

Fitz: Ich blicke mit großem Frieden zurück. Bei mir ist das aber auch schon länger her (lacht). Wir hatten bei uns an der Schule große Freiheiten. Wir haben zum Beispiel eine Theatergruppe auf die Beine gestellt und konnten da frei agieren – auch weil es einfach vorher keine gab.

Farooq: Ich war kein Fan von Schule! Ich habe da nur wenig gute Erinnerungen. Ich bin nicht gerne hingegangen. Ich fand es damals nicht lebensvorbereitend und es war für mich immer mit Zwang verbunden. Ich habe dennoch verstanden, dass Schule wichtig für mein Leben ist. Deswegen habe ich es versucht, so clever wie möglich anzustellen.

Fitz: Schauen Sie, jetzt sagt Nilam, dass sie Schule hasst, aber dann hatte sie einen Zweier-Schnitt im Abi …

Ich finde das auch sehr bemerkenswert!

Farooq: Moment! Ich habe zumindest viel getan, was Spicken angeht. 

Wenn Sie damit durchkamen, was hat für Sie einen guten Lehrer ausgemacht? 

Farooq: Mir war wichtig, dass man uns Schülern auf Augenhöhe begegnet. Und nicht so vorgegaukelt, sondern eher, wenn die Lehrer einem zu verstehen gegeben haben: “Ja, ich bin 20, 30 Jahre älter als ihr, aber ich weiß, eure Aufgabe ist auch nicht so einfach.”

Farooq: Wie gesagt, ich habe sehr viel gespickt und das ist einem Lehrer bewusst gewesen. Irgendwann hat er mich zu sich zitiert und mir ganz offen gesagt: “Nilam, ich weiß nicht, wie Sie das machen, aber wenn ich dahinterkomme, wird das Konsequenzen haben. Bis dahin können Sie so weitermachen.” Ich fand diese klare Ansage cool, dass er zu schätzen wusste, welchen Aufwand ich betreibe (lacht).

In “Eingeschlossene Gesellschaft” spielen Sie eine junge, moderne Referendarin und einen zu schülernahen Sportlehrer. Hätten Sie Ihre Filmrollen gerne als Lehrer gehabt?

Fitz: Ich glaube, den Peter Mertens, den ich spiele, hätte ich als Lehrer cool gefunden.

Farooq: Vielleicht wäre er an der einen oder anderen Stelle problematisch gewesen. Der Peter versteht sich nämlich mit einigen Schülerinnen zu gut …

Fitz: Na, Moment, das Interesse kommt bei Peter auch von Seiten der Schülerinnen. Es ist ja auch so, dass die Sportlehrer für viele Schülerinnen vielleicht auch die einzigen Männer sind, die keine hundertjährigen Lehrer oder ihr Vater sind. Da reicht dann auch schon ein bisschen Moschusduft und etwas Ballonseide, um die jugendliche Hormonlage durcheinander zu bringen.

Im Grunde ist der Film ein komödiantisches Geiseldrama in dessen Zentrum ein Junge steht, dessen Abitur gefährdet ist und der zudem bei der ganzen Sache nicht einmal anwesend ist. Nehmen Eltern manchmal die schulische Ausbildung zu ernst? 

Fitz: Ja und nein. Eltern wollen natürlich, dass die Zukunft der Kinder möglichst offen ist. Aber ich bin der Ansicht, dass viele Wege zum Ziel führen. Meine Schwester entschied damals für sich zunächst, sie brauche kein Abitur, hat das aber später auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, um es sich selbst zu beweisen.

Herr Fitz, Sie haben gerade erzählt, dass Sie Vater sind. Blicken wir mal in die Zukunft – wären Sie cool genug, wenn Ihr Kind mit 16, 17 sagt: “Papa, ich will kein Abi machen!”?

Fitz: Ich wünschte, ich könnte Ihnen sagen, dass ich da definitiv cool genug für wäre. Aber ich weiß es nicht. Ich glaube, ich würde dazu raten, die Option Abitur möglichst lange offen zu lassen. Wenn ich aber sehe, dass das Kind nicht der Typ dafür ist, dann würde man natürlich über Alternativen nachdenken. Ich selbst hätte das Abitur damals nicht gebraucht, weil ich keine akademische Laufbahn beschritten habe. 

Wie haben denn Ihre Eltern reagiert, als Sie ihnen sagten, dass sie Schauspieler werden wollten und eben nicht die Laufbahn mit Uni samt 9-to-5-Job wählen würden?

Fitz: Ängstlich.

Farooq: Nicht sehr glücklich.

Fitz: Mein Vater hat Verwandtschaft, die in dem Bereich sind. Von daher haben meine Eltern mich immer unterstützt, aber ängstlich unterstützt.

Farooq: Bei mir war es ähnlich, weil meine Eltern sich etwas anderes für mich vorgestellt haben. Mein Vater hätte mich gerne als Politikerin oder Medizinerin gesehen. Hinzu kam, dass meine Eltern mit dem Schauspiel keine Berührungspunkte hatten. Das hat sich aber gelegt, als sie mich zum ersten Mal im Fernsehen gesehen haben.

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