Endlich normale Leute!

Harald Glööckler und Co. sind ins Dschungelcamp gezogen – während die restliche Welt mit der Corona-Seuche kämpft. Ist Trash-Fernsehen in diesen schwierigen Zeiten überhaupt vertretbar? Und ob – es ist sogar für viele Menschen wichtiger denn je.

Natürlich gab es zu Beginn lautstarke Kritik. Das Dschungelcamp stattfinden lassen – jetzt, in dieser Zeit? Während andere Menschen ums Überleben kämpfen, mit Corona-Varianten hadern und versuchen, die Menschen zur Vorsicht und zum Impfen zu bewegen – gerade da sollen elf Promis im Dschungel für Unterhaltung sorgen?

Im Endeffekt geht es doch nur um triviale Gespräche, Streitereien zwischen C- bis Z-Promis, Kamelhoden, Fässer voller Kakerlaken und Schlangen. Bedenken gibt es in dem Camp in Südafrika weniger aufgrund des Infektionsrisikos, sondern eher wegen des sich anbahnenden Würgereizes, wenn sich die Stars Urin oder Spermien eintrichtern müssen. Schaut man sich die erste Folge an, könnte man fast meinen, in den Reihen der Teilnehmer hätte man nie etwas von der weltweiten Pandemie mitbekommen – nichts da mit Mindestabstand oder Maskenpflicht.

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Filip Pavlovic, Eric Stehfest und Jasmin Herren: Die Dschungelcamp-Kandidaten mussten in der ersten Folge eine Essensprüfung bewältigen. (Quelle: RTL / Stefan Menne)

Stattdessen erfreuten uns die mal mehr, mal weniger berühmten Campbewohner in der ersten Folge mit ersten Dschungelprüfungen und Reibereien. Kurz nach dem Einzug in ihr Lager ging es direkt ans Eingemachte: Unter dem Titel “Wühlen, Wissen, Würgen” stand eine Essensprüfung an.

So kamen Warzenschweinhoden, Impalalungen, Schafsaugen und Kudupenisse auf den Teller – und bescherten dem Camp dank ein paar kräftiger Zähne und Mägen fünf Sterne. Dieser Erfolg wurde aber auch schon von ersten kleinen Auseinandersetzungen überschattet: Linda Nobat bricht eine Tofudebatte vom Zaun und bei Anouschka Renzi und Tina Ruland kommt es zum Handtuch-Gate. Kaum am Lagerfeuer Platz genommen, fängt es schon an zu kriseln.

Wir brauchen Corona-Pausen

Tja, und genau diese unterhaltsamen bis ekelerregenden Szenen sind der Grund, warum die Show so wichtig ist. Schaltet man den Fernseher oder das Radio an, fallen nach wenigen Sekunden Worte wie “Corona”, “Pandemie” oder “Neuinfektionen”. Genau das wird das Dschungelcamp die zwei Stunden Sendezeit über garantieren können – Corona who?

Es geht nicht um steigende Inzidenzen, nicht um Einschränkungen im Alltag oder fehlende Intensivbetten. Es geht um seichte TV-Kost, um banale Dramen, vielleicht auch ein bisschen Fremdscham. Wir brauchen diese coronafreie Zeit. Wir müssen abschalten können von der Situation, die uns seit zwei Jahren nicht nur begleitet, sondern auch belastet. Diese Staffel garantiert ein Stück Normalität in Zeiten, die alles andere als “normal” sind. Frei nach dem ikonischen Tom-Gerhardt-Satz aus der “Ballermann”-Filmreihe liefert das Dschungelcamp Eskapismus in ungeschönter Reinkultur: “Endlich normale Leute!” 

“Ablenkung ist wichtiger denn je”

RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner verteidigte die Dreharbeiten in Südafrika unter einem ähnlichen Gesichtspunkt, als im Dezember auf einmal Omikron unsere Haustüren eintrat. “Menschen wünschen sich gerade in dieser Pandemie Unterhaltung und Ablenkung. Diese Ablenkung ist jetzt neben Information wichtiger denn je.”

Recht hat er, der Markus Küttner. Doch natürlich muss der Sender irgendwie auch rechtfertigen, warum trotz all der Umstände mit dem Dschungelcamp Geld gescheffelt werden soll. Das Konzept funktioniert schließlich bis heute ziemlich gut und bringt Quoten – sich also durch Omikron einen Strich durch die Rechnung machen lassen? Das kommt nicht infrage.

Dschungelcamp-Kandidaten: In der ersten Folge sind die Stars ins Camp eingezogen und mussten die ersten Aufgaben bestehen. (Quelle: RTL)Dschungelcamp-Kandidaten: In der ersten Folge zogen die Stars ins Camp ein und mussten die ersten Aufgaben bestehen. (Quelle: RTL)

Aber man kann davon halten, was man will – die Leute schalten ein, die Leute haben Bock. Warum ihnen dann nicht genau das geben?

Deswegen regen Sie sich nicht darüber auf, dass die Dschungelcamp-Crew einmal quer durch die Welt gereist ist, während Sie seit Monaten mit Homeoffice und Fernweh kämpfen. Viel wichtiger ist doch, dass Sie mal abschalten können, wenn die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow wieder zum TV-Festmahl laden.

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