Studie mit 1,1 Millionen Männern
Unfruchtbarkeit beim Mann könnte Warnsignal für Krebs sein
19.04.2026 – 09:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Unfruchtbare Männer erkranken laut einer neuen Studie häufiger an Darm- und Schilddrüsenkrebs. Was bedeutet das für Betroffene?
Paare mit unerfülltem Kinderwunsch können heute verschiedene medizinische Möglichkeiten nutzen, um doch noch eine Schwangerschaft herbeizuführen. Das löst sich aber nicht zwangsläufig die Ursache des Problems: Hinter Unfruchtbarkeit können verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen stecken, sowohl bei der Frau als auch beim Mann.
Eine neue Studie aus Schweden legt nun nahe, dass männliche Unfruchtbarkeit mit einem erhöhten Risiko für zwei Krebsarten zusammenhängen könnte: Darm- und Schilddrüsenkrebs.
Daten von über einer Million Männern ausgewertet
Die Forscher analysierten Daten von mehr als 1,1 Millionen schwedischen Männern, die zwischen 1994 und 2014 zum ersten Mal Vater geworden waren. Für rund 14.500 von ihnen interessierte sich das Team besonders: Diese Männer hatten eine sogenannte ICSI-Behandlung in Anspruch nehmen müssen, um ein Kind zu bekommen.
Die ICSI wird in der Regel bei schweren männlichen Fruchtbarkeitsproblemen eingesetzt – etwa bei einer sehr geringen Spermienzahl oder schlecht beweglichen Spermien. Bei Männern, die diese Methode nutzen, ist daher meist von einer stark eingeschränkten Fruchtbarkeit auszugehen. Genau diese Gruppe wollten die Wissenschaftler in den Blick nehmen, um ihre Forschungsfrage zu klären: Geht Unfruchtbarkeit mit einem erhöhten Risiko für andere Erkrankungen einher?
ICSI
ICSI steht für Intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Dabei wird der Frau eine Eizelle entnommen, in die im Labor mit einer feinen Nadel ein einzelnes Spermium injiziert wird.
Um das zu klären, glich das Team die Daten der Männer mit dem schwedischen Krebsregister ab. Dabei zeigte sich ein auffälliger Zusammenhang: Männer, die mithilfe von ICSI Vater geworden waren, erkrankten später häufiger an Darm- und Schilddrüsenkrebs als Männer, die auf natürlichem Weg ein Kind bekommen hatten.
Das relative Risiko für Darmkrebs war demnach fast doppelt so hoch, für Schilddrüsenkrebs etwa dreimal so hoch. Solche Zahlen können zunächst beunruhigend wirken – vor allem, wenn man das absolute Risiko nicht kennt. Tatsächlich ist dieses jedoch gering: Schilddrüsenkrebs kommt insgesamt selten vor. Darmkrebs gehört zwar insgesamt zu den häufigsten Krebsarten, tritt jedoch meist erst im höheren Alter auf.
Für Männer im fortpflanzungsfähigen Alter bleibt das Risiko daher insgesamt niedrig, selbst wenn es sich verdoppelt oder verdreifacht. In der Studie entwickelten insgesamt nur wenige der Männer Darm- oder Schilddrüsenkrebs.
Sollten unfruchtbare Männer früher an Krebsvorsorge denken?
Aus Sicht der Forscher bieten die neuen Erkenntnisse vor allem eine Chance für eine bessere Gesundheitsvorsorge. Der Reproduktionsmediziner und Mitautor Angel Elenkov kritisiert in einer Pressemitteilung, wie aktuell mit Männern, die eine Fruchtbarkeitsuntersuchung machen lassen, umgegangen wird: „Ziel ist es, ihnen zu helfen, Vater zu werden – danach wird ihre Gesundheit nicht weiter beobachtet.“ Dabei ließen sich Darm- und Schilddrüsenkrebs durch frühe Vorsorgeuntersuchungen verhindern.
Aus der neuen Studie lässt sich trotzdem keine direkte Empfehlung für frühere Krebs-Screenings ableiten. Dazu müssten noch weitere Fragen geklärt werden. Unter anderem müssten Studien ergründen, ob männliche Unfruchtbarkeit selbst ein Risikofaktor für Krebs ist oder beide Probleme auf gemeinsame Ursachen zurückgehen.
