
Arrow 3
Drohnen über Abwehrsystem – Bundeswehr schießt daneben
07.01.2026 – 13:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Im Dezember begutachteten hochrangige Gäste ein neues Raketenabwehrsystem südlich von Berlin. Unbekannte kamen ihnen jedoch zuvor.
Schon vor der offiziellen Einweihung des neuen Raketenabwehrsystems Arrow 3 in der Annaburger Heide Ende vergangenen Jahres wurde es bereits ausgespäht. Wie WDR und NDR unter Berufung auf ein internes Bundeswehrdokument berichten, stellte die Truppe am 1. Dezember gegen 16.40 Uhr drei Drohnen eines „unbekannten Typs“ fest, die in rund 100 Metern Höhe über der Radaranlage kreisten.
Die Drohnen wurden zunächst von einem technischen Detektionssystem entdeckt. Daraufhin aktivierte die Bundeswehr das sogenannte Schnelle Reaktionselement Heer. Ein mobiler Einsatztrupp setzte eine eigene Aufklärungsdrohne ein und konnte eines der Fluggeräte visuell sichten, wie es in dem Bericht heißt.
Nach Angaben aus dem Dokument wurde anschließend die Freigabe erteilt, die Drohnen abzuschießen. Die Bundeswehr setzte ein Sturmgewehr des Typs G27P mit der speziellen Zieloptik „Smash X4“ ein, das speziell zur Drohnenabwehr entwickelt wurde. Doch der Versuch blieb erfolglos. „Die Drohne konnte nicht durch die eingesetzten Drohnenabwehrmittel bekämpft werden“, heißt es in dem Bericht. Anschließend habe sich das Fluggerät entfernt und sei außer Sicht geraten.
Die Feldjäger sowie der Militärische Abschirmdienst (MAD) wurden über den Vorfall informiert, zudem erstattete die Bundeswehr Anzeige bei der Polizei. Ein Sprecher des Operativen Führungskommandos bestätigte den Drohnenüberflug auf Anfrage schriftlich.
Video | „Arrow 3“: Das kann der neue Raketenschutzschirm
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Der Vorfall wird innerhalb der Bundeswehr als besonders sensibel bewertet. Laut dem internen Bericht handelt es sich bereits um den zweiten verdächtigen Drohnenüberflug über der Arrow-Radaranlage in Annaburg. Aufgrund der Zahl der Drohnen und der Bedeutung des Systems sei eine „beabsichtigte Ausspähung wahrscheinlich“, so die Einschätzung. Auch ein zeitlicher Zusammenhang mit der Einweihung der Anlage zwei Tage später mit hochrangigen Gästen wird demnach als wahrscheinlich angesehen.
Das Raketenabwehrsystem Arrow 3 gilt als eines der modernsten seiner Art. Es wurde gemeinsam von Israel und den USA entwickelt und ist bislang nur in diesen beiden Ländern sowie künftig in Deutschland im Einsatz. Das System soll anfliegende ballistische Raketen in sehr großer Höhe, teilweise sogar außerhalb der Erdatmosphäre, abfangen.
In Israel kam Arrow 3 bereits mehrfach zum Einsatz, unter anderem zur Abwehr iranischer Raketenangriffe. Dabei wurden ballistische Flugkörper im beginnenden Weltraum zerstört. Deutschland hat das System für rund 3,6 Milliarden Euro beschafft. Neben dem Standort in der Annaburger Heide in Sachsen-Anhalt sind zwei weitere Anlagen in Schleswig-Holstein und Bayern geplant. Bis 2030 soll Arrow 3 hierzulande vollständig einsatzbereit sein.