UN warnt – „Zeitalter des globalen Wasserbankrotts“

„Zeitalter des globalen Wasserbankrotts“

Schon jetzt trifft es Milliarden Menschen

Aktualisiert am 21.01.2026 – 02:46 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Bericht stuft Europa nicht pauschal als wasserbankrott ein, betont aber globale Verflechtungen. (Quelle: Armin Weigel/dpa/dpa-bilder)

Weltweit schrumpfen Seen, sinken Grundwasserspiegel und verschwinden Feuchtgebiete. Das sei keine vorübergehende Krise, warnen UN-Experten.

Die Welt tritt einem UN-Bericht zufolge in ein „Zeitalter des globalen Wasserbankrotts“ ein. Begriffe wie „Wasserknappheit“ oder „Wasserkrise“ spiegelten die Realität an vielen Orten nicht mehr wider, weil sie zeitweilige und potenziell reversible Zustände suggerierten, hieß es von der Universität der Vereinten Nationen in Kanada. Kennzeichnend seien inzwischen aber unumkehrbare Verluste bei Süßwasserreserven.

„Dieser Bericht vermittelt eine unbequeme Wahrheit: Viele Regionen leben über ihre hydrologischen Verhältnisse, und viele wichtige Wassersysteme sind bereits bankrott“, sagte Hauptautor Kaveh Madani, Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität.

Viele Gesellschaften haben dem Bericht zufolge nicht nur ihr jährliches Kontingent an erneuerbarem Wasser aus Flüssen, Böden und Schneedecken überschritten, sondern auch ihre langfristigen Reserven in Grundwasserleitern, Gletschern, Feuchtgebieten und anderen natürlichen Reservoirs aufgebraucht.

Weltweit habe inzwischen eine kritische Menge von Wassersystemen irreversible Schwellenwerte überschritten, erklärte Madani. „Diese Systeme sind durch Handel, Migration, Klimarückkopplungen und geopolitische Abhängigkeiten miteinander verbunden, sodass sich die globale Risikolandschaft nun grundlegend verändert hat.“

Die Landwirtschaft zum Beispiel sei für den größten Teil des Süßwasserverbrauchs verantwortlich – und die globalen Ernährungssysteme seien durch Handel und Preise eng miteinander verbunden, so Madani. „Wenn Wasserknappheit die Landwirtschaft in einer Region untergräbt, wirken sich die Auswirkungen auf die globalen Märkte, die politische Stabilität und die Ernährungssicherheit in anderen Regionen aus.“

Millionen Landwirte versuchten, Nahrungsmittel auf Basis schrumpfender, verschmutzter oder verschwindender Wasserquellen zu produzieren, sagte Madani. „Ohne einen raschen Übergang zu wassersparender Landwirtschaft wird sich die Wasserbankrott-Rate rapide ausweiten.“

Im Bericht geht es um die verfügbare und nutzbare Menge an Süßwasser auf dem Planeten. Vielfach überstiegen die Entnahmen die Neubildung. Und selbst dort, wo die Wassermengen stabil scheinen, schrumpfe der tatsächlich nutzbare Anteil. Zu den Ursachen zählten Grundwasserverschmutzung, Übernutzung von Ressourcen, Degradation von Land und Böden, Entwaldung und Umweltverschmutzung, noch verschärft durch die globale Erwärmung.

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