Kernkraft

Umfrage: Mehrheit sieht Atomausstieg kritisch

Aktualisiert am 21.04.2026 – 04:45 UhrLesedauer: 3 Min.

In Deutschland wurden alle Atomkraftwerke abgeschaltet. Dieses hier stand in Bayern. (Archivbild) (Quelle: Sven Hoppe/dpa/dpa-bilder)

Mehr als die Hälfte hält den Atomausstieg vor drei Jahren für einen Fehler. Trotzdem will nur eine Minderheit die Kernkraft zurück.

Rund jeder Zweite in Deutschland findet den Atomausstieg vor drei Jahren falsch. 53 Prozent lehnen die Abschaltung der letzten Meiler in einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov und des Sinus-Instituts ab, 40 Prozent finden sie richtig. Fast jeder Dritte (32 Prozent) bezeichnete den Ausstieg sogar als „voll und ganz falsch“. Die Ergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

Deutschland war Mitte April 2023 aus der Nutzung der Kernenergie ausgestiegen. Die letzten drei Meiler wurden endgültig abgeschaltet. Davor hatte die Bundesregierung wegen der Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entschieden, die Meiler noch für ein paar Monate länger laufen zu lassen.

Ursprünglich sollte der Atomausstieg bereits zum 31. Dezember 2022 vollzogen sein. Den schrittweisen Ausstieg hatte 2011 die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima beschlossen.

Nicht alle, die den Atomausstieg 2023 falsch finden, setzen allerdings für die Zukunft auf Kernkraft. Für 39 Prozent der Befragten ist die Kernenergie eine Form der Stromerzeugung, die Deutschland in der Zukunft nutzen sollte. Damit liegt sie hinter der Solarenergie (62 Prozent), Windkraft (60 Prozent) und Wasserkraft (50 Prozent).

Biomasse beziehungsweise Biogas wird von 35 Prozent genannt. Relativ weit hinten liegen fossile Energieträger: Erdgas kommt auf 21 Prozent, Kohle und Öl jeweils auf 9 Prozent.

Die Gefahr möglicher Nuklearunfälle treibt die Befragten weniger um. 52 Prozent machen sich geringe, weitere 18 Prozent überhaupt keine Sorgen, dass es in Europa zu einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk kommt. Die wenigsten haben für einen solchen Fall vorgesorgt und halten zum Beispiel Lebensmittelvorräte oder Jodtabletten bereit. Nur 15 Prozent bejahten eine entsprechende Frage voll und ganz oder mit Einschränkungen.

Nur jeder Vierte sagt von sich, er habe sich darüber informiert, was im Katastrophenfall zu tun wäre. Dass Deutschland auf den Fall einer schweren Atomkatastrophe gut vorbereitet wäre, glauben gerade einmal 14 Prozent.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 13. und 16. März 1.944 Menschen online befragt. Die Umfrage ist nach Angaben des Instituts repräsentativ.

Die Atomkatastrophe im damals sowjetischen und heute ukrainischen Tschernobyl ist auch 40 Jahre nach dem Ereignis fast jedem ein Begriff. 93 Prozent haben davon gehört, fast die Hälfte gibt sogar an, sie könne genau erklären, was damals geschehen sei.

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