Noch empörender der aufgerufene Preis für ein Ticket in Block 638 auf der Gegentribüne, in noch großzügiger Entfernung zum Geschehen. Ursprünglicher Verkaufspreis: 400 US-Dollar (ca. 350 Euro). Weiterverkaufspreis inklusive der obskuren Gebühr: 3.450 US-Dollar (ca. 3.000 Euro).
„Geschützt“ werden mit diesem Geschäftsmodell einzig skrupellose Opportunisten, die sich mit fast krimineller Energie auf Kosten echter Fans die Taschen vollmachen wollen. Und die Funktionäre aus der Fifa-Zentrale in der Schweiz stellen sich als Gipfel der Dreistigkeit auch noch als Gerechtigkeitskämpfer für die Interessen derer dar, die noch aus Liebe zum Spiel ins Stadion wollen und nun doch schließlich die Möglichkeit haben, noch an Karten zu kommen. Die Ticketpreise wurden übrigens schon im regulären Verkauf durch das nachfragebasierte „Dynamic Pricing“ in die Höhe getrieben.
Der Fußball lebte immer davon, dass er für alle da ist. Auch das macht seine Faszination aus. Der Fußball ist Allgemeingut, gesellschaftsstiftend, erschwinglich für jeden. Geschäftsleute und Akademiker spielen und schauen ihn genauso wie Studienabbrecher oder Arbeitssuchende. Im Stadion stehen, sitzen, jubeln, trauern sie nebeneinander. Vielen, die nicht erst am Monatsende nichts mehr haben, ist der Fußball die einzige Ablenkung vom täglichen Elend.
Der Fußball-Weltverband, sein windiger Chef Gianni Infantino und seine nicht minder windigen Erfüllungsgehilfen schmücken sich auch gerne mit den Abermillionen leidenschaftlicher Fußballfans weltweit, mit ihren Emotionen, ihrem Enthusiasmus. Mit warmen Worten wird ihre Bedeutung für den Sport betont. In Live-Übertragungen werden immer exzessiver Zuschauerreaktionen auf den Rängen in Großaufnahme gezeigt.
So aber ist die Fifa nichts anderes als ein Hehler – denn nichts anderes als Diebesgut wird hier vertickt – aus einem großen Diebstahl an den Fußballfans.
