Tuchel bei der WM
„Der meistgehasste Mann Englands“
17.06.2026 – 16:46 UhrLesedauer: 4 Min.
Thomas Tuchel soll Englands Sehnsucht nach einem Titel stillen. Doch schon vor dem ersten WM-Spiel steht der 52-Jährige unter enormem Druck – auch wegen umstrittener Entscheidungen.
Wenn England am Mittwochabend gegen Kroatien in die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 startet, beginnt für Thomas Tuchel die wohl schwierigste Aufgabe seiner Trainerkarriere. Nicht wegen des starken Gegners. Nicht wegen der Atmosphäre. Sondern wegen der Erwartungen, die bei jedem großen Turnier auf der englischen Nationalmannschaft lasten. Tuchel wurde aus Deutschland geholt, um etwas zu schaffen, woran Generationen vor ihm gescheitert sind – er soll den goldenen Pokal nach Hause bringen.
Sollte Tuchel diese Meisterleistung gelingen, bekäme er wohl einen Ehrenplatz im Geschichtsbuch des britischen Fußballs. Denn kaum eine große Nation wartet länger auf den ersehnten Triumph als die Engländer.
1966 gewannen sie im eigenen Land ihren bislang einzigen WM-Titel. Die „Thirty Years of Hurt“ (zu Deutsch: „30 Jahre des Schmerzes“), die in der berühmten Fußballhymne „Three Lions“ aus 1996 besungen werden, sind längst Teil der englischen Fußballidentität geworden. Der Liedname leitet sich vom Spitznamen der Mannschaft ab.
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Mittlerweile sind es jedoch 60 Jahre des Schmerzes. Kaum eine große Nation wartet länger auf den ersehnten Triumph. Einzig die englische Frauen-Nationalmannschaft konnte mit den EM-Titeln 2022 und 2025 den Schmerz etwas lindern.
Die Grundlage ist gelegt
Dabei fehlte der Nationalmannschaft der Männer in den vergangenen Jahren oft nicht viel. Unter Gareth Southgate erreichte England das WM-Halbfinale 2018 sowie die EM-Endspiele 2021 und 2024. Die Mannschaft etablierte sich dauerhaft in der Weltspitze. Die Grundlage war gelegt.
Doch der große Wurf blieb aus, genau deshalb entschieden sich die Verantwortlichen für einen radikalen Schritt, auf die Trennung von Southgate folgte die Berufung des Deutschen. Tuchel wurde nicht verpflichtet, um den Fußball zu verschönern oder Talente zu entwickeln. Er wurde verpflichtet, um Weltmeister zu werden.
Die Erwartungen sind gewaltig
Dass der Druck entsprechend hoch ist, zeigt auch ein Detail in seinem Vertrag. Zwar verlängerte der englische Verband die Zusammenarbeit bereits vor der WM bis 2028, gleichzeitig bestätigte FA-Geschäftsführer Mark Bullingham jedoch eine Leistungsklausel. Mit anderen Worten: Selbst ein langfristiger Vertrag ist keine Garantie, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.
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