
Ex-Minister bei „Markus Lanz“
„Ich wage das Wort absurd“
Aktualisiert am 08.01.2026 – 07:51 UhrLesedauer: 3 Min.
Die US-Ansprüche auf Grönland lösten bei „Markus Lanz“ scharfe Reaktionen aus. Daniel Günther sieht darin ein Signal für einen sicherheitspolitischen Kurswechsel in Deutschland.
Grönland als Teil der USA: Diese Forderung aus Washington ist im Januar 2026 erneut Auslöser für diplomatische Spannungen zwischen den USA und Europa und Sorgen über die Zukunft der Nato. Bei „Markus Lanz“ wurde am Mittwochabend deutlich, wie sehr die US-Ansprüche das transatlantische Gefüge erschüttern. „Ich wage das Wort absurd“, kommentierte der zugeschaltete Tom Høyem, ehemaliger dänischer Grönlandminister, die Forderungen aus Washington.
Einer der zentralen Momente der Sendung war ein von Markus Lanz eingespielter Clip des US-Strategen Stephen Miller. Darin sagte Miller: „Die Vereinigten Staaten sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten haben.“ Zugleich äußerte er die Erwartung, dass es dagegen keinen militärischen Widerstand geben werde: „Niemand wird militärisch gegen die Vereinigten Staaten um die Zukunft Grönlands kämpfen.“
Tom Høyem zeigte sich empört: „Ich bin schwerst verärgert, dass man so eine Position haben kann und so wenig zu wissen“, entgegnete er. Er verwies auf ein Dokument von 1916, unterschrieben von US-Präsident Woodrow Wilson, das die dänische Souveränität verbrieft: „Grönland ist und bleibt für immer dänisch.“ Høyem stellte klar: „Falls man denkt, dass die Grönländer sich wünschen, Amerikaner zu werden, dann hat man keine Ahnung.“
Andere Gäste ordneten die Debatte in einen größeren geopolitischen Zusammenhang ein. CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen verwies auf die strategische Bedeutung der Arktis und die zunehmende Militarisierung der Region. Russland habe dort zuletzt Infrastruktur massiv ausgebaut, unter anderem Landebahnen für strategische Bomber in unmittelbarer Nähe zu Norwegen. Zugleich werde die Region durch die Folgen des Klimawandels wirtschaftlich relevanter, etwa als künftige Handels- und Logistikroute zwischen dem Westen und Asien.
Vor diesem Hintergrund sei das US-Interesse an Grönland strategisch erklärbar und Ausdruck einer klaren Prioritätensetzung. Dies sei „America first“, so Pleitgen. Zugleich wies er darauf hin, dass Dänemark den USA seit Jahren weitgehende militärische Präsenz auf Grönland ermögliche und zu den verlässlichsten Verbündeten Washingtons gehört habe – vom Irak über Afghanistan bis zum Kampf gegen den IS. Der Ton aus Washington sei daher besonders irritierend, weil Kopenhagen das transatlantische Bündnis stets aktiv mitgetragen habe.
China-Experte Adrian Geiges warnte davor, die Auseinandersetzung um Grönland isoliert als transatlantischen Konflikt zu betrachten. Entscheidend sei der größere geopolitische Kontext: „Wir erinnern uns alle an Zeiten von Mao und Breschnew, wo die beiden Länder verfeindet waren. Jetzt sind sie so eng beieinander wie nie zuvor.“ Gerade deshalb sei westliche Geschlossenheit zentral. In einer Situation, in der autoritäre Staaten koordiniert vorgingen, könne jede Spaltung innerhalb des westlichen Bündnisses deren Einfluss weiter stärken.