Auch Merz folgt einer Doppelstrategie: Trump hofieren und gelegentlich kritisieren. Sieht sich der Kanzler im Umgang mit den USA also auch als Geschäftsmann?

Nicht unbedingt. Beim G7-Gipfel sahen Beobachter Merz als Klassenstreber, der dem US-Präsidenten ein Trikot überreicht. Diese Art der Anbiederung muss nicht sein, ist aber auch nicht schädlich.

Hätten Sie der US-Regierung frühzeitig zugesagt, mit deutschen Schiffen beim Schutz der Straße von Hormus am Golf zu helfen?

Auch das war eine gewisse Form der Anbiederung. Die Amerikaner und die Israelis haben den Krieg ausgelöst, und sie tragen nun die primäre Verantwortung. Wenn sie Unterstützung brauchen, können sie uns gerne fragen. Schließlich hat auch Deutschland ein großes Interesse an freien Handelswegen. So aber sieht es für Washington aus, als habe Trump den Karren in den Dreck gezogen und andere Staaten würden ihm nun umgehend helfen, ihn wieder herauszuziehen.

Im Video | Merz überrascht Trump mit Deutschlandtrikot

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Die Nato fürchtet, dass die Amerikaner sich weiter aus dem Bündnis zurückziehen. Immerhin beschwert sich Trump oft darüber, dass die USA nichts von der Allianz bekommen würden. Ist es nicht logisch, dass die Europäer ihm das Gegenteil demonstrieren möchten?

Wir machen uns da etwas vor. Trump wird nicht etwa Estland vor Russland verteidigen, weil wir aktuell nett zu ihm sind. Nur weil wir ihn nun mit Booten unterstützen oder ihm ein Trikot schenken, wird er künftig keine US-Soldaten schicken. Das ist eine fatale Illusion, diese Rechnung geht nicht auf.

Trump wird immer situativ entscheiden, ob er etwas macht oder nicht. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob auf einem Nato-Gipfel ein tolles Dokument verabschiedet wird oder sich Generalsekretär Mark Rutte um gute Stimmung im Bündnis bemüht. Ich verstehe völlig, dass Rutte von morgens bis abends schleimt, weil er das Bündnis zusammenhalten will. Aber ein deutscher Kanzler muss das nicht tun. Stattdessen muss sich der Rest der Nato darauf einstellen, dass die USA nicht immer für uns da sein werden. Es ist die Stunde Europas.

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg brauchen die Europäer die USA allerdings weiterhin. Aktuell verbessert sich die Lage für die ukrainische Armee, während Russland geschwächt wirkt. Könnte das dazu führen, dass die US-Regierung ihren Druck auf Wladimir Putin erhöht?

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