Trump-Kommentar schürt Unsicherheit an den Märkten: Dollar unter Druck

Dass der Dollar trotz vergleichsweise hoher Zinsen in den USA schwächelt, zeigt: Die gewohnten Zusammenhänge greifen nicht mehr wie früher. Laut Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei Swissquote, liegt das an einer Mischung aus politischen und wirtschaftlichen Faktoren.

Sie verweist auf geopolitische Unsicherheiten, die von den USA ausgehen, sowie auf wachsende Zweifel an der „künftigen Unabhängigkeit der US-Notenbank“. Hintergrund ist das bevorstehende Ende der Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell im Mai.

Hinzu kommt ein rückläufiges Vertrauen der US-Verbraucher. „Das ergibt ein ziemlich trübes Bild für den Greenback“, sagt Ozkardeskaya. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Dollar angesichts geopolitischer Spannungen und der Debatte um die Fed-Unabhängigkeit deutlich an Wert verloren.

Ein dauerhaft stärkerer Euro bleibt nicht ohne Folgen und könnte die EZB unter Handlungsdruck setzen. Der österreichische Notenbankchef Martin Kocher brachte deshalb eine Zinssenkung ins Spiel, falls sich die Euro-Aufwertung fortsetzt.

„Sollte der Euro in Relation zum Dollar immer stärker werden, könnte dies ab einem gewissen Punkt natürlich eine geldpolitische Reaktion erforderlich machen“, sagte Kocher in einem Interview mit der „Financial Times“. Ein starker Euro verbilligt zwar Importe, erschwert aber europäischen Unternehmen den Wettbewerb mit US-Konkurrenten, weil ihre Produkte im Ausland teurer werden.

Aus Sicht der USA hat die Dollarschwäche durchaus Vorteile. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, zufolge kommt die Abwertung der US-Regierung offenbar entgegen. Sie verbessert die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure.

US-Unternehmen können ihre Preise in Euro senken und so Marktanteile in Europa gewinnen – oder die Preise stabil halten und höhere Gewinne erzielen, wenn sie ihre Einnahmen zurück in Dollar tauschen.

Für Unternehmen aus der Eurozone gilt das Gegenteil. Ein starker Euro verteuert ihre Exporte in Länder außerhalb des Währungsraums. „Der starke Euro ist kein Knockout, aber er frisst sich Stück für Stück in die Marge“, sagte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. Gerade in stark umkämpften Märkten ließen sich Wechselkursnachteile kaum an Kunden weitergeben.

Aktie.
Die mobile Version verlassen