
Hier aß Udo Jürgens Eis
Ostsee-Traditionshotel nach 117 Jahren in Schutt
23.01.2026 – 14:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Es ist das Ende einer Ära: Am Ostseestrand in Niendorf klafft eine Lücke, wo einst ein besonderes Hotel stand.
Das „Atlantic“ ist weg, die Abrissbagger haben ganze Arbeit geleistet: Wo 117 Jahre lang ein familiengeführtes Elf-Zimmer-Hotel an der Promenade in Niendorf stand, ist jetzt nur noch Schutt übrig.
Das Hotel „Atlantic“ stand seit 1909 in Niendorf, der Ort gehört zur Gemeinde Timmendorfer Strand im schleswig-holsteinischen Kreis Ostholstein. Schon davor hatte es am selben Ort eine Pension in Familienbesitz gegeben. Zuletzt war Stephan Muuss der Chef gewesen. Der 57-Jährige war hier geboren worden, er führte die Geschäfte in siebter Generation.
„Gastlichkeit seit 140 Jahren“ heißt es in einer Mail, die Muuss t-online mit aktuellen Bildern vom Abriss geschickt hat. Damit ist es jetzt vorbei.
Doch Muuss ist nicht nur wehmütig. Er betrachte den Abriss auch mit „Erleichterung und Befreiung“, hatte er bereits den „Lübecker Nachrichten“ gesagt. Denn Anfang 2025 war er schwer erkrankt und wollte den Stress reduzieren. Auch wenn es ihm inzwischen wieder gut geht: Den Verkauf des Hotels bereut er nicht.
Dass das „Atlantic“ nun Abrissbaggern zum Opfer fiel, sieht er pragmatisch. Eine Renovierung beziehungsweise Sanierung wäre sinnlos gewesen, findet er. Beim Abriss sei deutlich geworden, „wie viel Lehm, Torf, Reet und Holz in dem Bau stecken“.
Er sei dankbar für die schöne Zeit im „Atlantic“, sagte Muuss der „Bild“-Zeitung. Er erinnere sich gerne an die prominenten Besuche im Café: „Udo Jürgens bestellte stets einen Schwedenbecher aus Vanilleeis, Apfelmus und Eierlikör“, zitierte die Zeitung Muuss. Armin Müller-Stahl sei mit dem Fahrrad vorbeigekommen, um Pflaumenkuchen zu essen, während Karl Dall Schinkenbrot bevorzugte. Auch Hans Albers habe im Hotel gewohnt.
An der Stelle des „Atlantic“ soll jetzt etwas Neues entstehen. Der neue Eigentümer betreibt schon an anderer Stelle in Timmendorfer Stand ein Hotel. Muuss konzentriert sich derweil auf die Strandkorbvermietung, die er weiter betreibt. Außerdem behält er weiter das einstige Haus „Susanne“ gegenüber, in dem sich nach einem Umbau vier große Ferienwohnungen befinden.