Touristen stürmen Alpendorf und dringen in Privaträume ein

„Kommen bis in die Küche“

Touristen stürmen winziges Alpendorf

Aktualisiert am 02.02.2026 – 10:06 UhrLesedauer: 3 Min.

St. Magdalena gilt als eines der schönsten Dörfer Südtirols. (Quelle: Christoph Sator/dpa/dpa-bilder)

Der Übertourismus macht längst nicht mehr nur klassischen Reisezielen zu schaffen. Inzwischen leiden auch abgeschiedene Gemeinden in der Natur.

Es hat wieder geschneit in Sankt Magdalena über Nacht. Die Dorfkirche mit dem Glockenturm und die Gräber auf dem Friedhof sind mit feinstem Neuschnee gepulvert, obwohl das überhaupt nicht mehr nötig gewesen wäre: Das 500-Seelen-Dorf in den Dolomiten, das allerletzte am Ende des langgezogenen Villnösser Tals, bietet auch so das Bild heiler Alpenwelt. Tag für Tag, das ganze Jahr hindurch. Was St. Magdalena immer mehr zum Verhängnis wird.

Inzwischen wird die Gemeinde – vom Magazin „Geo“ zum „wohl schönsten Dorf Südtirols“ gekürt – von Touristen überrannt. Sogar aus China kommen sie, so wie Han Gengai und Li Shangxi, zwei Studentinnen aus Peking. Die beiden haben das Foto von St. Magdalenas Kirche, wie sie so malerisch vor den Gipfeln der 3.000 Meter hohen Geislergruppe liegt, im Internet gesehen. Han (24) sagt: „Ich wusste sofort: Da muss ich hin.“

Früher, als die Leute noch einigermaßen zuverlässig Urlaubsgrüße mit der Post verschickten, hätte man das ein großartiges Postkarten-Motiv genannt. Bei Leuten wie Han heißt das nun „instagrammable“. Die Jagd nach dem perfekten Bild fürs Instagram-Konto beschränkt sich längst nicht mehr auf die klassischen Städte-Reiseziele wie Venedig oder Amsterdam, die schwer unter „Overtourism“ leiden. Immer mehr treibt es Foto-Touristen nun in die Natur. Es darf auch abgelegen sein.

Instagrammer findet man an den einsam liegenden Leuchttürmen der Bretagne, am Dynjandi-Wasserfall auf Island mit seinen vielen Kaskaden oder an Irlands Küste bei den spektakulären Klippen von Moher. Oder eben in den Dolomiten, selbst im hintersten Tal. In St. Magdalena halten sich die meisten gar nicht lange auf: hoch zur Kirche, ein paar Fotos mit dem Handy, vielleicht ein Selfie noch, ab damit ins Internet. Klick und weg.

Auf Portalen wie Instagram, TikTok oder Flickr finden sich Zehntausende Bilder. Besonders beliebt ist St. Magdalena auf Xiaohongshu, dem chinesischen Gegenstück zu Instagram. „Bei uns kennt das Bild jeder“, sagt Han, die Studentin. Das hat nach Auskunft des Bürgermeisters der Hauptgemeinde Villnöss, Peter Pernthaler, damit zu tun, dass ein chinesischer Telekom-Konzern vor einigen Jahren mit dem Alpenpanorama Werbung machte. „Damit hat der ganze Schlamassel angefangen“, sagt der 56-Jährige. Denn inzwischen leiden die Leute sehr.

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