
Schlacht ohne Tote
Tomaten statt Fäuste: Wie eine Massenschlacht als Ventil für soziale Spannungen entstand
13.01.2026 – 12:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Statt Waffen fliegen Tomaten: In Buñol liefern sich Tausende eine ungewöhnliche Schlacht. Wie diese bizarre Tradition ihren Anfang nahm.
Gewöhnlich kommen bei einer Schlacht gefährliche Waffen zum Einsatz. Bei „La Tomatina“ im spanischen Buñol bei Valencia bewerfen sich die Kontrahenten mit überreifen Tomaten, statt aufeinander zu schießen. Doch wer fing wann damit an und weshalb?
Der Krieg war vorbei. Doch auch im Frieden bleiben die Menschen nicht immer friedlich. In Buñol gerieten Jugendliche in Streit. Zuerst flogen die Fäuste, dann die Tomaten, entnommen aus einem Gemüsestand. Aus Ernst wurde Spaß.
Die jungen Männer beschlossen, im folgenden Jahr am selben Tag sich auf ein Neues eine Tomatenschlacht zu liefern. „La Tomatina“ war geboren.
Die lokalen Behörden versuchten, dem lustigen Treiben ein Ende zu bereiten. Doch bald wuchs die Schar der Teilnehmer von wenigen Dutzend auf Hunderte und Tausende. Der Ruf der „Tomatina“ verbreitete sich über die Grenzen Spaniens hinaus. Menschen aus der ganzen Welt schlossen sich der friedlichen Schlacht an.
Die Bürger Buñols sind bei der Tomatenschlacht längst in der Minderzahl. Europäer, Amerikaner, Chinesen und Japaner sind mit von der Partie, wenn es heißt, sich mit überreifen Tomaten zu bewerfen. 150 Tonnen der Frucht verwandeln die zentralen Straßen der kleinen spanischen Stadt in eine matschig-rote Brühe.
Übrigens: Landwirte bauen die Tomaten speziell für das Großereignis an. Der Handel leidet also nach der Schlacht nicht unter einem Mangel an dem beliebten Gemüse.
Während im Jahr 2012 noch etwa 50.000 Teilnehmer gezählt wurden, ist die Zahl inzwischen auf rund 20.000 begrenzt. Auftakt ist gegen zehn Uhr auf der Plaza del Pueblo mit dem sogenannten „palo jabón“. Die Teilnehmer versuchen, einen etwa neun Meter hohen, eingeseiften Baumstamm zu erklimmen, um einen Schinken zu erreichen.
Punkt elf Uhr beginnt die eigentliche Tomatenschlacht, die exakt eine Stunde später endet. Anwohner helfen anschließend beim Reinigen, spülen Besucher mit Gartenschläuchen ab oder verweisen auf mobile Duschen, während viele Teilnehmer auch selbst beim Säubern der Straßen mit anpacken.
So titelten Medien, um an die Flutkatastrophe zu erinnern, die im Oktober 2024 die Region heimgesucht hatte. Die Flut verheerte die spanische Ostküste. Hunderte Menschen starben. Die „Tomatina“ des Jahres 2025 sollte seelische Wunden schließen. Daher taufte man das Ereignis in „Tomaterapia“ um.
Das spanische Fest hat Kultstatus erlangt. Menschen aus aller Welt fiebern jedes Jahr der unblutigen Schlacht entgegen und hoffen, dass die Tomatenernte gut sein wird.