
Wissenschaftler warnen
Tigermücke entwickelt gefährliche Mutation
Aktualisiert am 08.01.2026 – 07:05 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine europaweite Studie warnt vor einer gefährlichen Entwicklung bei der invasiven Tigermücke. Betroffen sind bislang hauptsächlich südliche Länder.
In den vergangenen Jahren hat sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in Europa ausgebreitet und wird auch in Deutschland regelmäßig registriert. Die Überträgerin zahlreicher Virusinfektionen hat mittlerweile ein ihrer Bekämpfung hinderliches Merkmal entwickelt: Tigermücken werden resistent gegen sogenannte Pyrethroid-Insektizide. Das belegt jetzt eine europaweite Studie, die im Fachmagazin „Parasites & Vectors“ veröffentlicht wurde.
„Mit der weltweiten Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke steigt die Zahl autochthoner (zu Deutsch: nicht eingeschleppter) Fälle exotischer Arbovirus-Erkrankungen wie Denguefieber oder Chikungunya in gemäßigten Klimazonen“, schreiben die Forscher um die Neurochemikerin Verena Pichler von der Universität Wien. Besonders alarmierend: Pyrethroid-Insektizide sind bislang die einzigen in Europa zugelassenen Mittel zur Bekämpfung der Mücke.
Die Untersuchung zeigt, dass die Pyrethroid-Resistenzen bei der Asiatischen Tigermücke in zahlreichen Ländern verbreitet sind. Besonders auffällig sind dabei zwei genetische Mutationen, die in den letzten Jahren in den Mückenpopulationen festgestellt wurden: F1534C und I1532T. Diese Veränderungen im Genom der Mücken beeinträchtigen den Angaben zufolge die Bindungsstellen der Insektizide, was ihre Wirksamkeit drastisch vermindert.
Die genauen Verbreitungsmuster dieser Mutationen variieren innerhalb von Europa stark. In den bei deutschen Urlaubern beliebten Sommerreisezielen Zypern und Griechenland wurden auffällig hohe Raten der Mutation F1534C gefunden, mit einer Häufigkeit von bis zu 84 Prozent in Zypern. In anderen europäischen Ländern, etwa in Italien und Spanien, sind die Resistenzen deutlich seltener (rund 25 Prozent), was auf regionale Unterschiede im Insektizideinsatz und im genetischen Hintergrund der Mücken hinweist. Auch in der Türkei ist laut Studie „eine besorgniserregende Häufung“ von Resistenzen festgestellt worden.
Die Studie fordert verstärkte Überwachungsmaßnahmen und den Ausbau von Resistenztests, um rechtzeitig auf die Ausbreitung resistenter Mückenpopulationen reagieren zu können. Ein frühzeitiges Erkennen von Resistenzen könnte dabei helfen, alternative Kontrollmethoden zu entwickeln und so die Gesundheit der europäischen Bevölkerung zu schützen.