
Streit mit Universität
Thüringens Ministerpräsident soll Doktortitel verlieren
Aktualisiert am 28.01.2026 – 16:26 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Streit mit der Technischen Universität Chemnitz geht für den Thüringer Ministerpräsidenten Voigt nicht gut aus. Das hat die Universität entschieden.
Die Technische Universität Chemnitz hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) seinen Angaben zufolge den Doktorgrad aberkannt. Voigt kündigte gegen die Entscheidung der Philosophischen Fakultät Klage vor dem Verwaltungsgericht an. Die von der Fakultät beanstandeten Stellen würden sich auf 2,58 Prozent der Wörter seiner Arbeit beziehen, erklärte Voigt dazu. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen.“ Die TU Chemnitz äußerte sich bislang nicht dazu.
Voigt promovierte im Jahr 2008 mit der – größtenteils in den USA erstellten – Doktorarbeit „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry“. Doktorvater ist der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse, der für sein umstrittenes Hufeisen-Modell für Links- und Rechtsextremismus bekannt wurde. Vorwürfe, dass Voigt in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll, kamen in der Zeit des Wahlkampfs vor der Landtagswahl 2024 auf.
Laut Voigts Anwälten beziehen sich die Vorwürfe zu seiner Dissertation darauf, dass Voigt von ihm zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern blind aus der Sekundärliteratur übernommen haben soll. „Bemerkenswert ist dabei, dass die Vorwürfe überwiegend keine angeblich ungekennzeichneten Übernahmen (Plagiate) betreffen“, hieß es in der Mitteilung. Die Vorwürfe hätten vollständig widerlegt werden können. Es habe nachgewiesen werden können, dass Voigt seine Arbeit vollständig selbst verfasst habe, so seine Anwälte.
Voigt reagierte in einer Mitteilung mit Unverständnis auf die Entscheidung der Universität. „Der von der Universität eigens eingeschaltete unabhängige Sachverständige hat eindeutig bestätigt, dass meine Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen entspricht. Warum die Universität ihrem eigenen Gutachten nicht folgt, ist für mich nicht nachvollziehbar“, teilte der 48-Jährige mit.
Zudem kritisierte der Regierungschef das Vorgehen in dem Prüfverfahren. Demnach habe der externe Gutachter im Februar 2025 gegen eine Aberkennung des Doktorgrades gestimmt. Anschließend seien im Mai 2025 neue Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren eingeführt und auf seine Dissertation angewandt worden. „In einem laufenden Verfahren die Spielregeln nachträglich und einschneidend zu verändern, ist – zurückhaltend formuliert – höchst ungewöhnlich“, so Voigt.