„Spiegel“-Bericht

Flüge immer teurer – warum die Taliban jetzt abkassieren


13.04.2026 – 12:22 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Maschine der Lufthansa (Symbolbild): Reisen in Richtung Asien werden zeitintensiver, außerdem schießen die Preise in die Höhe. (Quelle: IMAGO/Silas Stein)

Ironie der Geschichte: Westliche Asienreisende müssen immer tiefer in die Tasche greifen, nicht nur wegen der steigenden Kerosinpreise.

Krieg in der Ukraine, Krieg im Iran – die aktuellen Konflikte hinterlassen auch im Reiseverkehr ihre Spuren. Der russische Luftraum ist für europäische Fluggesellschaften seit mehr als drei Jahren gesperrt, Flüge über den Persischen Golf sind Anfang März ebenfalls unmöglich geworden. Die alternativen Routen von Europa nach Asien sind deutlich länger, außerdem treiben die steigenden Kerosinpreise die Kosten für Flugtickets nach oben.

Aber nicht nur der teure Treibstoff lässt die Preise ansteigen. Ein weiterer Grund sind nach Recherchen des Magazins „Spiegel“ auch die erhöhten Überfluggebühren der Taliban. Die politischen Führer Afghanistans hätten gemerkt, „wie dringend der Westen diesen Korridor braucht“, schreibt „Spiegel“-Redakteur Martin U. Müller in einem LinkedIn-Beitrag. „Die Taliban kassieren jetzt an europäischen Urlaubsflügen mit. Das ist keine Pointe, das ist Realität. Wer heute mit einer westlichen Fluglinie nach Tokio oder Bangkok fliegt, überquert mit hoher Wahrscheinlichkeit den Luftraum von Kabul“, so Müller.

Um genau zu sein, führt dieser schmale Korridor, mit dem europäische Fluggesellschaften beide Sperrräume gleichzeitig umgehen können, über die Türkei, Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien. „Der Streifen Himmel ist heute so frequentiert wie nie seit dem Abzug westlicher Streitkräfte 2021“, heißt es. Die Zahl der täglichen Überflüge habe sich bereits 2025 auf rund 280 verfünffacht. „Die Taliban haben die gestiegene Frequenz bemerkt und die Überfluggebühren für den Luftraum von Kabul mit ihrer Machtübernahme erhöht“, so der „Spiegel“ weiter.

Das macht sich beim Endverbraucher stark bemerkbar. Die Ticketpreise auf zentralen Strecken von Asien nach Europa sind laut Daten der Alton Aviation Consultancy vom März gegenüber dem Vormonat um bis zu 560 Prozent gestiegen.

Für Reisende, die ihren Sommerurlaub in Asien verbringen wollten, ist die Lage kompliziert. Europäische Fluggesellschaften und Reiseanbieter stecken in der Zwickmühle. Einzig die Turkish Airlines gelten als Gewinner, da Istanbul sich aus der Sanktionsoffensive heraushielt und außerdem geografisch ideal für Flüge Richtung Osten liegt. Auch chinesische Fluglinien dürfen den russischen Luftraum nutzen, wickeln ihren Verkehr aber kaum über deutsche Flughäfen ab.

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